Verdun

Bereits am Ende des Jahres 1915 plante man auf deutscher Seite, eine Entscheidungsschlacht an der Westfront herbeizuführen, da der Vormarsch der deutschen Truppen an der Front zwischen Nordfrankreich und dem Elsass schon seit Ende 1914 zum Erliegen gekommen war.
Der sich daraufhin entwickelnde Stellungskrieg brachte der deutschen Seite neben zahlreichen Verlusten kaum nennenswerte Geländegewinne und vor allem nicht die erhoffte schnelle Eroberung Frankreichs. Dies bestärkte die Oberste Heeresleitung unter Generalstabschef Erich von Falkenhayn in dem Bestreben, eine kriegsentscheidende Offensive im Westen zu beginnen und "Frankreichs Kräfte verbluten" zu lassen. Als Ziel für den Angriff wählte man den Festungsgürtel vor der französischen Stadt Verdun, der zwar mit zahlreichen Festungen, MG-Stellungen, Bunkern und unterirdischen, teilweise schon Ende des 19. Jahrhunderts erbauten Forts gesichert war, dem man jedoch auf französischer Seite keinen großen Stellenwert beimaß und der zudem noch durch die Reduzierung der Materialdepots zugunsten der Nordfront entscheidend geschwächt war.
Am 21. Februar 1916 begann die Offensive der deutschen 5. Armee unter dem Oberbefehl des deutschen Kronprinzen Wilhelm von Preußen auf die vielen Forts des Festungsgürtels. Mit einem massiven Artillerieeinsatz, allerdings ohne große Infanterie-Unterstützung konnte in den ersten Tagen ein bedeutender Geländegewinn erzielt werden. Schon am 25. Februar konnten die deutschen Truppen die größte Verteidigungsstellung, das Fort Douaumont, besetzen.
Nach der Besetzung des Forts durch die Deutschen übertrug der französische Chef des Generalstabs Joseph Joffre dem General Henri Philippe Pétain die weitere Strategie zur Verteidigung des umkämpften Gebietes.
Pétain erreichte es, die französischen Truppen zu einem erbitterten Widerstand anzutreiben und mit den neu an die Kampflinie verlegten Reservisteneinheiten die Front zu verstärken. Daraufhin kam der Vormarsch der deutschen Truppen am 27. Februar zum Erliegen.
Der von Falkhayn anberaumte Versuch, die französischen Soldaten in einer Materialschlacht „ausbluten“ zu lassen, war mit dem Stillstand an der Frontlinie vorerst gescheitert. Dazu ist zu erwähnen, dass fast alle französischen Truppeneinheiten wenigstens einmal zur Front von Verdun abkommandiert wurden und somit das Mitempfinden innerhalb der Bevölkerung an den Vorgängen auf dem Schlachtfeld auf eine gewaltige Resonanz stieß.
Von nun an kam es zum Stellungskrieg, den man ab März 1916 auf deutscher Seite mit Angriffen auf beide Ufer der Maas ausdehnte, um eine große Zahl der französischen Kräfte an der Front zu binden. Besonders starke Gefechte gab es dabei um die beiden Gebirgsrücken „Toter Mann“ und „Höhe 304“, die erst nach zweimonatigen Kampfhandlungen im Mai 1916 unter hohen Verlusten von den Deutschen erobert werden konnten.
Auch andernorts wurden immer wieder Anstrengungen unternommen, um zum Bewegungskrieg zurückzukehren: So schlug im Mai 1916 der Versuch der Franzosen fehl, das Dorf Douaumont zurückzugewinnen, auf der anderen Seite nahmen deutsche Soldaten am 2. Juni nach knapp dreimonatigem Kampf das strategisch wichtige Fort Vaux ein und standen dicht vor den Toren Verduns.
Lediglich das Fort Souville versperrte noch den Weg zum Durchbruch zur Stadt, konnte aber auch nach mehreren Offensiven (die ihren Höhepunkt in den deutschen Angriffen vom 22. und 23. Juni 1916 fanden) nicht eingenommen werden.
Die sich ständig verschlechternde Versorgungslage der Franzosen (die Bahnlinie von Paris in Richtung Front war frühzeitig unterbrochen worden) wurde im Folgenden dadurch relativiert, dass aufgrund der Brussilow-Offensive im Osten und der soeben begonnenen Somme-Offensive in Nordfrankreich Entlastungsangriffe stattfanden, zu denen große Teile der deutschen Kräfte vor Verdun abkommandiert wurden. Mitte Juli (am 11. Juli 1916 fand der letzte Angriff der Deutschen statt) wurde der Angriff daher von deutscher Seite abgebrochen und man sah sich gezwungen, von nun an in die Defensive zu gehen.
Ab diesem Zeitpunkt dominierte wiederum der Stellungskrieg mit geringen Geländegewinnen auf dem von erheblichen Zerstörungen geprägten Schlachtfeld. Erst am 24. Oktober kam es durch eine französische Offensive, die von enormem Artillerieeinsatz unterstützt wurde, wieder zu einem Vormarsch. In dessen Vorlauf gelang es dem französischen Militär, das umkämpfte Fort Vaux am 2. November zurückzuerobern und weiterhin fast alle Gebiete, die seit den ersten deutschen Attacken verloren gegangen waren, wieder durch eigene Truppen zu besetzen.
Der Angriff der französischen Armee vom 15. Dezember hatte eine neuerliche Räumung der vordersten deutschen Frontlinie zur Folge und führte letztendlich zum endgültigen Scheitern und Abbruch des deutschen Angriffs auf Verdun.
Die Zahl der Verluste der Schlacht um Verdun konnte nie zweifelsfrei geklärt werden. Man geht inzwischen aber davon aus, dass sie auf deutscher Seite etwa bei 335.000 Toten, Vermißten und Verwundeten, sowie auf französischer Seite bei ungefähr 365.000 Mann an Verlusten liegt.
Resümierend kann man behaupten, dass die Schlacht um Verdun in dem Sinne militärisch absurd war, dass es zu einem erheblichen Ungleichgewicht von Kosten und „Nutzen“ kam. So wurden die monatelangen Kämpfe um erdenklich geringe Geländegewinne auf beiden Seiten mit astronomisch hohen Zahlen an Toten und Verwundeten bezahlt, ohne dass einer der beiden Mächte damit eine kriegsentscheidende Wende gelungen wäre. Auch wurden Dörfer, Städte und ganze Landschaften zerstört und auf Dauer unbewohnbar gemacht.
In Frankreich dient die Schlacht um Verdun bis heute als Sinnbild der Widerstandsfähigkeit des französischen Volkes, während sie in Deutschland trotz der militärischen Niederlage zu einem legendenhaften Mythos verklärt wurde. Erst ab Ende des Zweiten Weltkrieges fand auf deutscher Seite eine realistische Darstellung der damaligen Ereignisse statt und das ehemalige Schlachtfeld mit seinen Gedenkstätten diente fortan als Symbol der deutsch-französischen Versöhnung. Dennoch dauerte es bis in das Jahr 1984, bis ein deutscher Staatschef (Helmut Kohl auf Einladung François Mitterands) von Frankreich eingeladen wurde, an der jährlichen Gedenkfeier zu Ehren der Gefallen von Verdun teilzunehmen.

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