Schlacht bei Tannenberg

Östlich des ostpreußischen Dorfes Tannenberg (heute Stêbark, Polen) fand während des Ersten Weltkrieges vom 26. bis 30. August 1914 eine Schlacht zwischen russischen und deutschen Streitkräften statt.
Der Schlacht vorausgegangen waren die im deutschen „Schlieffen-Plan“ nicht vorgesehenen russischen Angriffe auf die nur durch die 8. deutsche Armee geschützte Ostfront. Unter Führung von Generaloberst von Prittwitz wurde die 8. Armee schon Mitte August 1914 von der 1. russischen Armee (Njemen-Armee) und der 2. russische Armee (Narew-Armee) in Ostpreußen attackiert und zurückgedrängt. Um einer Einkesselung seitens der russischen Armeen, die schon in bedrohliche Nähe der Stadt Königsberg gelangt waren, zu entgehen, entschloss man sich, gegen die Njemen-Armee in die Offensive zu gehen und so die beiden Armeen separat zu bekämpfen. In der folgenden Schlacht von Gumbinnen (heute Gussew, Russland) am 19. und 20. August 1914 wurde die 8. Armee jedoch unter hohen Verlusten entscheidend geschlagen.
Angesichts der überlegenen russischen Kräfte zog sich die 8. Armee hinter die Weichsel zurück und lieferte damit die ostpreußische Zivilbevölkerung schutzlos den vorrückenden russischen Truppen aus. Als diese begannen Dörfer zu plündern und einzelne Bewohner hinzurichten, lösten sie eine Massenflucht unter ostpreußischen Bevölkerung aus.
Kaiser Wilhelm II. entzog daraufhin dem in die Kritik geratenen von Prittwitz den Oberbefehl und betraute Paul von Hindenburg, der von dem neuen Stabschef Erich Ludendorff unterstützt wurde, mit dessen Nachfolge.
An der Westfront wurden als Konsequenz Truppenteile abgezogen, die zur Unterstützung der Ostfront dringend benötigt wurden. Auf diese Weise neu gestärkt und gruppiert, ging die nun 150.000 Mann zählende Armee am 26. August bei Tannenberg gegen die Narew-Armee vor. Obwohl die russische Armee numerisch überlegen war und außerdem die russische Njemen-Armee nur 40 km weiter nördlich zur Unterstützung bereit stand, konnten die deutschen Truppen die Narew-Armee unter dem Oberbefehl von General Samsonow einkreisen und ihr empfindliche Verluste zufügen.
Der Erfolg dieses riskanten Manövers beruhte vor allem darauf, dass es den Deutschen gelungen war, die russische Nachrichtenübertragung zu dekodieren und sie daher schon im Voraus über russische Truppenbewegungen Kenntnis besaß. Des Weiteren konnte die deutsche Armee mit ihrer qualitativ deutlich besseren militärischen Ausrüstung ihre zahlenmäßige Unterlegenheit mehr als ausgleichen. Zudem war die russische Armee aufgrund der nicht zuende geführten Mobilmachung in ihren Manöverbewegungen bei weitem nicht so flexibel wie die deutsche Armee.
In der Schlacht, in der sich circa 150.000 Deutsche und etwa 190.000 Russen gegenüber standen, mussten sich die Russen nach der Einkesselung geschlagen geben. Ungefähr 90.000 russische Soldaten gingen deutsche Kriegsgefangenschaft, ihr Oberbefehlshaber, General Samsonow, erschoss sich noch auf dem Schlachtfeld, um der Gefangennahme zu entgehen.
Die russische Seite hatte insgesamt Verluste von insgesamt ungefähr 120.000 Mann (darunter 6.700 Gefallene) und etwa 300 Geschützen zu beklagen, während die deutsche Seite circa 14.000 Mann (darunter 4.000 Gefallene) verlor.
Nachdem auch die erste russische Armee in der nachfolgenden Schlacht bei den Masurischen Seen vom 6. bis 15. September 1914 von der 8. deutschen Armee geschlagen werden konnte, kam es in der begeisterten deutschen Öffentlichkeit zu einem wahren Hindenburg-„Kult“, der so weit ging, dass man den „Held von Tannenberg“ nach seinem Tod im Jahre 1934 in einer Gruft im „Tannenberg-Denkmal“ bei Hohenstein (heute: Olsztynek, Polen) beisetzen ließ. Dieses Denkmal wurde 1927 zu Ehren der Siege der Schlachten von Tannenberg und den Masurischen Seen errichtet, allerdings 1945 auf Geheiß Hitlers (teilweise) gesprengt, bevor es von der heranrückenden Roten Armee erreicht werden konnte.

3 passende Filme gefunden

  • 1
  • 1