geboren:
30 September 1895, Kishinew, Russia (now: Chisinau, Moldawien)
gestorben:
25 September 1980, Los Angeles, California, USA
Biografie:
Lev Milstein, Sohn eines wohlhabenden jüdischen Kleiderfabrikanten, studiert zunächst Ingenieurswissenschaften in Mittweida, Sachsen.
1913, der Vater hatte Geld für eine Heimreise geschickt, reist der Sohn in Begleitung zweier Kommilitonen statt zurück nach Russland in die USA.
Anfangs schlägt er sich mit Gelegenheitsjobs durch, ist Hausmeister, Verkäufer oder arbeitet in einer Fabrik, bevor er 1915 eine Stelle als Assistent bei einem Fotografen findet. Bei Kriegseintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917 meldet er sich zu, U.S. Signal Corps, wo er als Regieassistent für Trainingsfilme der Army arbeitet.
1919, mittlerweile amerikanischer Staatsbürger wechselt er nach Hollywood, um bei seinem Kriegskameraden, dem Produzenten Jesse Hampton als Cutter zu arbeiten. Als Assistent der Regisseure Harry King und William A. Seiter macht er sich einen Namen und bekommt 1925 für die Krimikomödie „Seven Sinners“ erstmals eine eigene Regie.
Für „Two Arabian Knights“ (1927) erhält Milestone den Oscar für die beste Regie einer Komödie, eine Kategorie, die bei dieser allerersten Oscarverleihung zum einzigen Mal in der Geschichte der Motion Picture Academy ausgezeichnet wird. „Two Arabian Knights“ markiert auch den Beginn der Zusammenarbeit mit dem unabhängigen Produzenten Howard Hughes, dem er später bei der Regie zu dessen Ersten Weltkriegs Flieger-Saga „Hell’s Angels“ unter die Arme griff, ohne dafür im Abspann genannt zu werden.
1930 schreibt Milestone mit der Verfilmung von Erich Maria Remarques Roman „Im Westen nichts Neues“ (All Quiet on the Western Front) Filmgeschichte. Seine neuartige Kameraführung und die aufwendige Tonmontage revolutionieren den frühen Tonfilm und werden mit Oscars für den besten Film und die beste Regie honoriert. Aufgrund seiner Absage an jeglichen militärischen Heroismus und wegen der schonungslosen Brutalität der Kampfszenen löst der Film in Deutschland heftige Proteste der aufstrebenden Nationalsozialisten aus, die schließlich sogar zu einem Verbot des Films führen.
In den 30er Jahren dreht Milestone eine Reihe Literaturverfilmungen und Komödien. Von diesen erreicht „The Front Page“ (1931) noch einmal eine Oscarnominierung. Mit Ausnahme von „The General died at Dawn“ (1936) mit Gary Cooper und dem viel späteren „The Strange Love of Martha Ivers“ (1946) mit Barbara Stanwyck in einer herausragenden femme-fatale-Rolle blieb ihm die Anerkennung durch die Kritiker versagt.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs nimmt er sich wieder des Themas Krieg an. „Edge of Darkness“ (1943) erzählt die Geschichte eines norwegischen Dorfes, das seinen deutschen Besatzern Widerstand leistet. „The Purple Heart“ (1944) schildert den Militärprozess einer Gruppe Airforce Piloten, die nach einem Angriff über Japan abgeschossen wurden und durch Folter zu Geständnissen gezwungen werden sollen. Eine Gruppe texanischer Soldaten, die nach der Landung in Italien ein von den Deutschen besetztes Bauernhaus erobern soll, steht im Mittelpunkt von „A Walk of the Sun“ (1945). Mit „Arch of Triumph“ (1948), einer weiteren Romanverfilmung von Remarque, beschreibt Milesstone das Emigrantenschicksal eines deutschen Arztes in Paris. „Halls of Montezuma“ (1951) rekonstruiert die Eroberung der Insel Okinawa, während „Pork Chop Hill“ (1958) den sinnlosen Kampf von amerikanischen und chinesischen Soldaten um einen Hügel an der koreanischen Demarkationslinie darstellt.
Seit Mitte der 50er Jahre arbeitet er verstärkt für das Fernsehen, bis er sich 1963 aufgrund gesundheitlicher Probleme aus dem Filmgeschäft zurückzieht. Das Urteil über sein Gesamtwerk fällt zwiespältig aus: auf der einen Seite der beschlagene Künstler, der sowohl die technischen als auch die ästhetischen Kniffe seines Handwerks gekonnt einzusetzen wußte. Auf der anderen Seite der Reisende in Sachen Film, der zufrieden schien, wenn er einen Film einfach ohne große Umstände abdrehen konnte.