Massaker in Indonesien (1965-1966)

Erläuterung:
1959 führte der indonesische Staatspräsident Sukarno in seinem Land das System der „gelenkten Demokratie“. Sukarno, der bereits gegen die niederländischen Kolonialherren um die Unabhängigkeit gekämpft und während des Zweiten Weltkriegs mit den japanischen Besatzungstruppen kooperiert hatte, versuchte mit diesem Programm Nationalismus, Religion und Kommunismus zu verschmelzen und ein Gleichgewicht zwischen den sehr unterschiedlichen ethnischen, religiösen und politschen Gruppen des Landes herzustellen. Zugleich sicherte ihm diese Politik faktisch die alleinige Kontrolle über sämtliche Staatsgeschäfte. Aufgrund des seit 1958 steigenden Gewichts der kommunistischen Partei Indonesiens nahm Sukarno einige pro-kommunistische und kommunistische Politiker in seine Regierung auf. 1963 erklärte er seinen Widerstand gegen die von Grossbritannien unterstützte Malayische Föderation. Nach der Ermordung von sechs Generälen am 30. September 1965 mit Hilfe von konspirierenden Offizieren, lösten die Kommunisten am 1. Oktober eine Aufstand aus. Dieser wurde jedoch von der Armee unter der Führung des relativ unbekannten Generals Suharto niedergeschlagen. In der Folge kam es zu blutigen Verfolgungen der Kommunisten und der als kommunistenfreundlich geltenden chinesischen Minderheit, die KP wurde verboten. Da Sukarno während des Putschversuchs eine eher abwartende und unklare Haltung eingenommen hatte, wurde er allmählich in seinen Befugnissen als Staatspräsident eingeschränkt. 1967 trat er offiziell zurück und stand bis zu seinem Tod 1970 unter Hausarrest. General Suharto übernahm alle Ämter Sukarnos, verfolgte eine Aussöhnung mit Malaysia und versuchte mit einigem Erfolg die indonesische Wirtschaft mit Hilfe ausländischer Kredite wiederzubeleben. Im Inneren jedoch wurde jede Kritik am Regierungskurs massiv im Namen der "Einigkeit" des Vielvölkerstaats unterdrückt. Suharto plazierte Familienmitglieder und andere Günstlinge in allen wichtigen Staatsämtern, die ihre Positionen besonders zur eigenen Bereicherung benutzten. Erst 1998 führten die durch die Asienkrise hervorgerufenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die öffentlich vorgetragene Unzufriedenheit mit Suhartos Regierungspolitik zu seinen Rücktritt.
Literatur:
Robert Cribb. The Indonesian killings of 1965-1966: Studies from Java and Bali. Clayton, Victoria: Centre of Southeast Asian Studies, 1990.
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