Erläuterung:
Kalter Krieg (1947-1989)
Metaphorische Bezeichnung für die jahrzehntelange Konfrontation der von den USA und der Sowjetunion geführten Machtblöcke, die nicht mit militärischen (also ‚heißen‘), sondern mit wirtschaftlichen, propagandistischen und politischen Mitteln ausgetragen wurde.
Die unterschiedlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konzeptionen der Mitglieder der Anti-Hitler-Koalition hatten bereits auf der Konferenz der „Großen Drei“ in Teheran 1943 zu Spannungen geführt. Als der Krieg 1945 beendet war, vollzog sich die endgültige Auflösung der siegreichen Koalition entlang der ideologischen und machtpolitischen Fronten. Während die USA eine liberale Weltwirtschaftsordnung unter US-amerikanischer Vormacht anstrebten, verfolgte die Sowjetunion anfangs ein Doppelstrategie. Sie wollte eine langfristige Zusammenarbeit mit den Westmächten auf der Basis eines konsolidierten Machtbereichs erzielen. Die unterschiedlichen Zielsetzungen der Westmächte – insbesondere der USA - und der Sowjetunion prallten in den Nachkriegskonferenzen aufeinander und führten zu gegenseitigem Misstrauen. Die USA fürchteten den sowjetischen Expansionismus, während die Sowjetunion sich aufgrund der Zurückdrängung ihrer Forderungen von der Konzeption der Zusammenarbeit mit dem Westen verabschiedete und auf die Ausdehnung ihres Einflusses konzentrierte. Eine Strategie, die sich zahlreichen Widerständen gegenübersah: In Jugoslawien versuchte Tito sich vom sowjetischen Einfluss abzugrenzen, in Polen und der Tschechoslowakei rief die Einrichtung kommunistischer Regierungen große Proteste hervor, in Österreich und Ungarn wurden Kommunisten aus den Regierungen gedrängt – Faktoren, die die UdSSR nur dazu bewogen, ihren Kurs um so rücksichtsloser zu verfolgen und andererseits die amerikanische Angst vor der Verbreitung des Kommunismus weiter schürten.
Diese Situation wurde in den USA von politischen Beobachtern erstmals 1947 als „Kalter Krieg“ beschrieben. Präsidentenberater Baruch beklagte im Juni: „Russia is waging a cold war against us“ und wenig später publizierte Walter Lippmann seine politische Analyse unter dem Titel „The Cold War. A Study in US Foreign Policy“.
Dem sich ausbreitenden Kommunismus Einhalt zu gebieten, war fortan oberstes Ziel der amerikanischen Aussenpolitik. Das Konzept der ‚Containment‘-Politik (engl.: Eindämmung) fand in der Truman-Doktrin, die der amerikanische Präsident am 12. März 1947 vor dem Kongress erläuterte, ihren Ausdruck. Darin bot Truman jedem Staat amerikanische Hilfe an, der unter sowjetischen Einfluss zu geraten drohte. In Europa, vor allem in West-Deutschland, stellte der Marshallplan, ein US-amerikanisches Wiederaufbauprogramm, ein Hauptinstrument des Antikommunismus dar. Die Sowjetunion antwortete 1947 mit der Gründung des Kominform, um das eigene kommunistische Lager zu stärken. Das System der Blöcke hatte sich stabilisiert und wurde weiter institutionalisiert: 1949 wurde die NATO als westliches Verteidigungsbündnis gegründet, 1955 zog die Sowjetunion mit der Gründung des Warschauer Paktes nach, nachdem sie 1949 den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RWG) gegründet hatte.
Mehrfach spitzte sich die Auseinandersetzung der Machtblöcke derart zu, dass ein weiterer Krieg unmittelbar bevorzustehen schien: 1948/49 während der Berliner Blockade, als die Sowjetunion sämtliche Land- und Wasserwege von Westdeutschland nach Berlin sperrte, 1950-53 während des Koreakriegs, besonders aber während der Kuba-Krise 1962 als die USA auf die Stationierung sowjetischer Atomraketen auf Kuba mit einer Seeblockade antworteten.
Erst nach der Kuba-Krise, in der ein nuklearer Krieg nur knapp abgewendet werden konnte, wuchs auf beiden Seiten die Erkenntnis heran, dass die weitere Anhäufung nuklearer Waffen angesichts der Möglichkeit der völligen Vernichtung des Gegners sinnlos war. Das Atomtestabkommen von 1963 sowie der Vertrag über die Nichtverbreitung von Atomwaffen 1968 läuteten eine Phase der Entspannungspolitik unter vertraglicher Festschreibung des Status Quo ein. 1972 wurden erstmals Verträge über die Begrenzung strategischer Waffen unterzeichnet (SALT-I). Eine zweite Verhandlungsrunde mit dem gleichen Ziel scheiterte wenige Jahre später (1979, SALT-II), weil die USA sich wegen des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan weigerten, die Verträge zu ratifizieren. In dieser Periode, Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre verschärfte sich der Kalte Krieg durch eine weitere Wettrüstungsrunde erneut. Das „Gleichgewicht des Schreckens“ hatte sich zugunsten der Sowjetunion verschoben, die sich durch die Stationierung von SS-20 Raketen sowohl qualitativ als quantitativ einen Vorteil verschafft hatte. Trotz grosser Widerstände in der Bevölkerung und einer besonders in Deutschland sehr aktiven Friedensbewegung zieht die NATO mit der Stationierung von Pershing II-Raketen nach. Das Gleichgewicht war zwar wiederhergestellt, doch die Gefahr eines alles vernichtenden Atomkrieges war aufgrund schnellerer Trägerwaffen und verkürzter Reaktionszeiten eher größer geworden.
Erst als 1985 Michail Sergejewitsch Gorbatschow als Generalsekretär der KPdSU Signale zu einem Neuanfang in der Sowjetunion setzte, erhielten die seit über 40 Jahren gefestigten Machtblöcke eine neue Chance. Eine echte Entspannungsperiode begann, die mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Fall des Eisernen Vorhangs den Kalten Krieg beendete.
Literatur:
Jost Dülffer: Europa im Ost-West-Konflikt: 1945-1991. München: Oldenbourg, 2004. ISBN: 3-486-49105-9
Norbert Wiggershaus (Hrsg.): Konfrontationsmuster des Kalten Krieges 1946 bis 1956. München: Oldenbourg, 2003. ISBN: 3-486-56732-2