Kambodschanischer Bürgerkrieg (1970-1998)

Erläuterung:
1970 schlug sich Kambodscha nach einem Staatstreich durch Lon Nol im Inochina-Konflikt auf die Seite der USA, Thailands und Südvietnams, woraufhin der Schutz der Neutralität nicht weiter bestand und die Vietcong und Nordvietnam ihre Truppen weit nach Kambodscha hineinverlegten und den größten Teil des Landes bereits 1971 unter ihre Kontrolle gebracht hatten.
Gleichzeitig bauten die Roten Khmer ihr Netz und ihre Kontrolle aus und trennten sich von den Vietcong.
Kurz nach der Machtübernahme durch Vietnam zogen amerikanische Soldaten nach Kambodscha ein, die jedoch aufgrund von Widerstand in den USA über die Ausweitung des Krieges bald wieder abrückten. Nun verstärkten die USA aber ihre Flächenbombardements, wobei schätzungsweise bis zu 1,1 Millionen Zivilisten starben. Diese Bombardements und der daraus resultierende Hass gegen die USA, unterstützten den Aufstieg der Roten Khmer. Diese wurden von Prinz Sihanouk, der sich im Exil in China befand, als nationale Befreiungsfront Kambodschas beschrieben. Die Kämpfe zwischen der Regierungsarmee und den Roten Khmer wurden immer erbitterter und viele Menschen befanden sich auf der Flucht in die Hauptstadt Phnom Penh, die sich noch unter Regierungskontrolle befand.
1973 endeten die Flächenbombardements der USA und auch die nordvietnamesiche Armee zog sich zurück. Doch dies bedeutete keineswegs ein Ende des Krieges, da die Roten Khmer, unterstützt von der Volksrepublik China und die Regierungsarmee, unterstützt von den USA, weiter kämpften.
1975 ergaben sich die Einwohner Phnom Penhs und die Roten Khmer besetzten die Stadt und vertrieben oder töteten die Stadtbevölkerung.
Anschließend folgte die vierjährige Diktatur der Roten Khmer unter Pol Pot. Ihre Vorstellung war die Errichtung eines weitgehend vom Ausland unabhängigen, kommunistischen Bauernstaates und die Rückeroberung früherer kambodschanischer Gebiete. Die Diktatur war äußerst brutal, es herrschte Repression, viele Menschen wurden ermordet und das Land isoliert. Revolten der Bevölkerung wurden blutig niedergeschlagen. Insgesamt starben zwei bis drei Millionen Menschen unter der Diktaturherrschaft.
Nach massiven Angriffen der Roten Khmer auf vietnamesische Dörfer, marschierte die vietnamesische Armee nach Kambodscha ein und besetzte das Land in wenigen Tagen. Die Roten Khmer flüchteten in die Bergregionen an der thailändischen Grenze und führten, unterstützt von China, den USA und Thailands einen Guerillakrieg gegen die vietnamesische Besatzung.
Große Teile der Bevölkerung wussten durch die Isolation und die Kontrolle der Nachrichtenverbindungen durch die Roten Khmer gar nichts von den neu entfachten Kämpfen. 1979 gab es aufgrund der Misswirtschaft der Roten Khmer und ihrer gezielten Zerstörung der Reisfelder eine Hungersnot, die rund 200.000 Opfer forderte.
Auf Druck der USA hin, öffnete Thailand schließlich seine Grenzen und Füchtlingslager für die Kambodschaner konnten eingerichtet werden.
Vietnam setzte eine Übergangsregierung aus Exilkambodschanern ein, stationierte viele Soldaten im Land und besetzte wichtige Posten mit Vietnamesen. Die UNO erkannte diese Übergangsregierung nicht an und forderte den Abzug der vietnamesichen Truppen. Kambodscha wurde zum "Spielball" der Supermächte Sowjetunion, Chinas und der USA. Das geltende Wirtschaftsembargo des Westens gegen Vietnam wurde auch auf Kambodscha ausgeweitet. Die Roten Khmer wurden als nicht-kommunistische Gruppe und Regierung anerkannt und alle Gräueltaten während ihrer Diktatur außer Acht gelassen, was die Vietnamesen und die kambodschanische Regierung verbitterte. Als der Völkermord der Roten Khmer jedoch immer weiter in die Weltöffentlichkeit rückte, konnten die USA diese nicht weiter unterstützen und Sihanouk begründete mit Unterstützung Chinas eine neue Befreiungsfront und ersetzte Pol Pot. Die Roten Khmer wurden zur bewaffneten Einheit dieser Befreiungsfront und in den folgenden zehn Jahren erfolgten zahlreiche Kämpfe zwischen den Kräften der Exilregierung und der vietnamesischen Armee.
Die ersten Versuche einer Problemlösung kamen von Seiten der UdSSR unter Michael Gorbatschow, der Gespräche einleitete, bei denen Vietnam zustimmte, seine Truppen bis 1990 abzuziehen.
Im Juli 1988 trat Prinz Sihanouk zurück und beendete die Koalition mit den Roten Khmer und Vietnam zog bereits einen Teil der Truppen ab.
Um eine Machtübernahme der Roten Khmer zu verhindern, wurde jegliche Hilfe an sie von allen Seiten eingestellt.
Im September 1989 zog Vietnam die letzten Truppen ab. Es sollen 55.300 vietnamesische Soldaten im Kampf mit den Roten Khmer gefallen sein.
In der Folge besetzten die Roten Khmer einige Städte und kontrollierten den Handel mit Reis, Edelsteinen und Waffen.
1989 legte dann Australien einen Plan zu einer Besetzung durch die UNO vor und 1992-1993 wurde Kambodscha unter Aufsicht der UNO im UNTAC-Programm gestellt. 1993 fanden die ersten freien Wahlen seit 20 Jahren statt und das Land erhielt eine Verfassung als konstitutionelle Monarchie mit Norodom Sihanouk als König.
Zwischen 1994 und 1996 kam es aber immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Roten Khmer.
Literatur:
Siehe:
http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/kriege/132_kambodscha.htm

Salmen, Lionel: Kambodscha und die UNO: der Krieg und seine Eingrenzungvon 1978 bis 1993, als Ms. gedr., Berlin, dissertation.de, 1999
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