US-Invasion in Panama (1989-1990)

Erläuterung:
Eine der Hauptkonfliktlinien erstreckt sich rund um die Frage nach den Hoheitsrechten über den Panama Kanal und die sog. Kanalzone. Diese Zone war im sog. „Hay–Bunau Varilla“ - Vertrag an am 18. November 1903 an die USA abgetreten worden, die darauf mit dem Bau des Panamakanals begannen, und steht im engen Zusammenhang zu der Unterstützung der Unabhängigkeit Panamas von Kolumbien durch die USA. Nachdem es bereits im sog. Flaggenstreit 1964 zu heftigen Auseinandersetzungen über die Hoheitsrechte über den Kanal und die Kanalzone kam, in deren Verlauf auf amerikanischer Seite vier US-Soldaten starben und 34 verwundet wurden und auf panamaischer Seite 23 Personen starben und weitere 200 verletzt wurden, wurde die Rückgabe der Kanalzone bis 1999 am 7. September 1977 im Torrijos-Carter-Vertrag festgelegt.
Mit der „de facto“ Präsidentschaft Noriegas wird dieser Konflikt dadurch verschärft, dass
dieser die amerikanischen Besterbungen zur Revision dieses Vertrages unter Bush ignoriert und die Verlängerung des Betriebs der „School of the Americas“ verweigert und zudem die Errichtung eines neuen Kanals mit japanischen Investoren und Baufirmen plant, was die Interessen der Bechtel Corporation tangierte. Ehemalige Mitarbeiter des Konzerns saßen in der Regierung von George H. W. Bush. Letztlich strebten die USA erneut die Kontrolle über den Kanal an.
Eine weitere Konfliktlinie erstreckt sich um die Person Noriegas selbst, der als Führer eine Geheimdienstabteilung des panamaischen Militärs (G-2) eng mit CIA-Direktor William J. Casey zusammenarbeitete und zudem gute Kontakte zu den Drogenkartellen Südamerikas besaß. Auf der einen Seite stellt Noriega einen wichtigen Verbündeten der USA im Kampf gegen die südamerikanischen Drogenkartelle dar, da er CIA und DEA dabei unterstütze diese zu infiltrieren. Zudem war es so der USA möglich die Contras in Nicaragua indirekte mit Geldern und Waffen über den Umweg Panama und Noriega zu unterstützen. Auf der anderen Seite ermöglichte es Noriega dem Medellin Kartell über Panama unkontrolliert Drogen in die USA zu transportieren.
Mitte der 80er Jahre geriet Noriega ins Visier der amerikanischen Drogenfahndung. Seine offensichtlichen, und vor allem in der amerikanischen Presse aufgedeckten Verbindungen zum organisierten Verbrechen machten ihn als Verbündeten für die USA untragbar.
Somit scheint die Invasion Panamas durch diese beiden Konflikte begründet und mit dem Ziel beschlossen worden zu sein zum einen den unliebsam gewordenen Noriega zu entfernen und zum anderen weitere Kontrolle über den Kanal zu gewinnen.
Am 20. Dezember 1989 griffen die von General Carl Stiner geführten US-Verbände mit einer Stärke von ca. 20.000 Mann, darunter die Delta Force, Panama an. Innerhalb von vier Tagen waren fast alle Kampfhandlungen mit der panamaischen Nationalgarde beendet und Noriega flüchtete in die Botschaft des Vatikan, die ihm zwar Asyl gewährte, ihm jedoch nahe legte, sich zu stellen. Nach zehn Tagen stellte sich Noriega am 3. Januar 1990 den Streitkräften der USA. Er wurde nach Miami ausgeflogen, wo er wegen Drogenhandels zu 40 Jahren Haft verurteilt wurde. Das Strafmaß wurde 1999 auf 30 Jahre reduziert. Die Verluste des Panamakrieges sind schwer zu beziffern. Nach US-Militärangaben vom 25. Dezember 1989 sind 24 US-Soldaten gefallen und 322 wurden verwundet. Auf panamaischer Seite wurden laut US-Militärangaben angeblich 297 Personen getötet, 123 verwundet und 468 gerieten in US-Kriegsgefangenschaft.
Am 21. Mai 1990 legte das panamaische Gesundheitsministerium neue Opferzahlen durch die US-Operation Just Cause vor. Danach starben 51 uniformierte Soldaten, 143 identifizierte Zivilisten und 58 unidentifizierbare Zivilisten, insgesamt 252 Tote. Der gesamte Schaden, verursacht durch die vorangegangenen Sanktionen und die Kämpfe selber, wird auf etwa 2,2 Mrd. US-Dollar beziffert.
1986 enthüllten US-Medien, dass Noriega seit mindestens zehn Jahren auf der Gehaltsliste der CIA stand. US-Richter entschieden am 17. Juli 2007, dass Noriega im September 2007 an Frankreich ausgeliefert wird. Diese Auslieferung steht bis heute an. In Frankreich, wo er Mitglied der Ehrenlegion ist, wurde er in einem Geldwäscheverfahren zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt.
Literatur:
Kevin Buckley. Panama - The Whole Story. New York: Simon & Schuster, 1991.

Jennifer M. Taw. Operation Just Cause and Low Intensity Conflict. Santa Monica, CA: RAND, 1996.
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