Erläuterung:
Mit Japans Niederlage im Zweiten Weltkrieg endete auch die japanische Herrschaft über Korea. Doch die Hoffnungen der Koreaner, nach 35 Jahren Besatzung endlich in Frieden und Einheit leben zu können, wurden enttäuscht. Entsprechend den alliierten Vereinbarungen besetzten sowjetische Truppen am 8. August 1945 Nordkorea und amerikanische Truppen Südkorea. Die Trennlinie bildete der 38. Breitengrad. Um einen demokratischen Neuanfang zu organisieren, waren im ganzen Land Volkskommittees gegründet worden. Im Süden wurden diese allerdings von der USA-Besatzungsmacht aufgelöst und am 15. August 1948 die Republik Korea mit der Hauptstadt Seoul gegründet. Präsident wurde der äußerst autoritäre Syngman Rhee, dessen reaktionäres Regime wohl nur aufgrund der Logik des Kalten Krieges amerikanische Unterstützung fand. Im Norden Koreas half die Sowjetunion bei der Errichtung der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik (KDVR) mit der Hauptstadt Pjöngjang unter dem kommunistischen Politiker Kim Il Sung am 9. Dezember 1948. Nach dem Aufbau von Armeen auf beiden Seiten zogen die Besatzungsmächte Mitte 1949 ab.
Der Einheitsgedanke war nach wie vor das beherrschende Thema in der koreanischen Politik. Doch sowohl in Seoul als auch in Pjöngjang strebten die Regierungen eine Einheit in ihrer jeweiligen Staatsform an, die sie wenn notwendig auch unter Anwendung militärischer Gewalt durchzusetzen bereit waren. Seit dem Frühjahr 1949 kam es entlang des 38. Breitengrads immer wieder zu kleinen Gefechten, die von Südkorea initiert und von Nordkorea beantwortet wurden. Ferner unterhielt der Norden Partisanen, die im Süden teilweise mit Unterstützung durch die Bevölkerung dem Regierungsterror entgegentraten und so die Spannungen verschärften.
Anlass des Krieges könnte Spekulationen zufolge die herbe Wahlniederlage Rhees am 3. August 1950 gewesen sein, durch die sich die Führung der KDVR ermuntert fühlte, militärisch gegen den Süden vorzugehen. Sicher ist, dass nordkoreanische Truppen am frühen Morgen des 25. Juni 1950 den 38. Breitengrad überschritten, auf südkoreanisches Gebiet vorstießen und in nur drei Tagen die Hauptstadt Seoul eroberten. In den folgenden sechs Wochen gelang es der Koreanischen Volksarmee (KVA) in raschem Vormarsch fast den gesamten Süden einzunehmen. Lediglich der Brückenkopf Pusan im Süden verblieb unter südkoreanischer Kontrolle.
Dieses Vordringen veränderte jedoch nicht nur die Situation in Korea selbst, sondern bedrohte auch den Status Quo zwischen den Einflußgebieten der 'westlichen Mächte' (bes. den USA) und der UdSSR. Deswegen war Washington bereits im Juni 1950 entschlossen, in diesen Konflikt militärisch einzugreifen. Im UN-Sicherheitsrat setzen die USA am 27.06.1950 eine Resolution durch, die Nord-Korea als Aggressor verurteilte und das Eingreifen von Streitkräften der Vereinten Nationen vorsah. Die Entschiedung fiel ohne die notwendige Stimme des Vertreters der UdSSR, der dem Gremium seit Januar 1950 fernblieb und damit gegen die Verweigerung eines ständigen Sitzes der VR China im Sicherheitsrat protestierte. Die sogenannten UN-Truppen bestanden größtenteils aus amerikanischen Streitkräften, die auch den Oberbefehlshaber, General D. MacArthur, stellten.
Mit der am 15.09.1950 begonnenen Gegenoffensive (vorbereitet durch fünf amphibische Landungsoperationen im Rücken des Gegners bei Intschon und unterstützt durch einen gleichzeitigen Angriff aus dem Brückenkopf Pusan) drängten die UN-Streitkräfte die nordkoreanischen Truppen über den 38. Breitengrad zurück.
Damit wären die ursprünglichen territorialen Verhältnisse wiederhergestellt gewesen. Doch MacArthur ließ über den 38. Breitengrad hinaus angreifen, mit dem Ziel, das gesamte Gebiet der KDVR einzunehmen. Im Oktober 1950 erreichten die UN-Truppen bei Chosan am Fluss Yalu die nordkoreanisch-chinesische Grenze. MacArthur ließ die Brücken über den Yalu bombardieren, wodurch Wasserwerke gefährdet wurden, die die Industrie Nordostchinas mit Energie versorgten. Als amerikanische Flugzeuge zudem mehrfach den chinesischen und sowjetischen Luftraum verletzten, entschloß sich die chinesische Regierung auf seiten Nordkoreas in den Konflikt einzutreten, um einer vermeintlichen amerikanischen Bedrohung entgegenzuwirken. Im November traten so 250.000 chinesische Soldaten mit der KVA zum Gegenangriff an und drängten die UN-Truppen bis zum 38. Breitengrad zurück. Durch direkte Konfrontation chinesischer und amerikanischer Truppen hatte der Konflikt eine neue Qualität bekommen.
Durch den Schock dieser Niederlage wurden in den USA Überlegungen angestellt, die den Einsatz von nuklearen Waffen gegen die KVA nicht ausschlossen. MacArthur forderte, die Einsätze der Luftstreitkräfte auf China auszudehnen, um so den Nachschub abzuschneiden. Dies hätte allerdings auch die Gefahr eines großen Krieges in Asien oder sogar eines Dritten Weltkriegs bedeutet, ein Szenario, das bei den europäischen Verbündeten der USA große Besorgnis auslöste. Präsident H.S. Truman entschied sich schließlich, eine direkte Auseinandersetzung mit China zu vermeiden und ließ MacArthur im April 1951 durch General M.B. Ridgeway ablösen.
Als chinesische und nordkoreanische Verbände im Januar 1951 bis südlich Seouls vordrangen, stellte die amerikanische Führung erneut Überlegungen über den Einsatz nuklearer Kampfmittel an. Jedoch gelang es den UN-Truppen erneut, den Gegner hinter den 38. Breitengrad zurückzudrängen. Nun begann ein Stellungskrieg, bei dem sich auf jeder Seite etwa 500.000 Soldaten gegenüberstanden, ohne dass eine Seite die Möglichkeit zu einem entscheidenen Schlag gehabt hätte.
Auf Vorschlag des sowjetischen UN-Vertreters begannen am 10.07.1951 in Kaesong Waffenstillstandsverhandlungen. Die Verhandlungen sollten zwei Jahre andauern, während derer die Kampfhandlungen weiterliefen und das Land weiter verwüsteten. Die USA versuchten mit Luftangriffen gegen die Infrastruktur und Industrie die Lebensgrundlagen der Bevölkerung zu zerstören, doch am Boden hielten die chinesisch-nordkoreanischen Truppen Stand.
Schließlich unterzeichneten beide Seiten am 27. Juli 1953 in Panmunjum ein Waffenstillstandsabkommen. Wie schon vor dem Konflikt wurde der 38. Breitengrad als Grenze zwischen Nord- und Süd-Korea bestimmt. Ferner wurde eine neutrale Kommission eingesetzt, die den Verbleib der Kriegsgefangenen regeln sollte. Die ebenfalls im Abkommen vereinbarte Empfehlung an die Regierungen, binnen drei Monaten eine Konferenz zur politischen Lösung des Koreaproblems abzuhalten und den Rückzug aller ausländischen Truppen zu regeln, ist nie verwirklicht worden. Die Chinesischen Kontingente zogen 1958 ab, amerikanische Truppen sind bis heute in Korea stationiert.
Insgesamt etwa zwei Millionen Menschen in Nordkorea und eine Million Südkoreaner fielen dem Krieg zum Opfer. Die koreanische Volksarmee verlor 500.000, die chinesische 900.000 Mann, 300.000 südkoreanische, 142.000 amerikanische und 17.000 Soldaten anderer Nationen der UN-Truppen wurden getötet.
Literatur:
John Halliday, Bruce Cumings: Korea: The Unknown War New York: Penguin Groups, 1988.
Peter Lowe: The origins of the Korean War. London: Longman, 1986. ISBN: 0-582-49278-5
Heinz Kraschutzki: Die verborgene Geschichte des Korea-Krieges. Hannover: Verl. Das andere Deutschland, 1957.