Erläuterung:
Japanisch-Chinesischer Krieg 1937-1945
Konflikt zwischen japanischen und chinesischen Streitkräften um die Kontrolle über das chinesische Festland. Der Krieg schwächte die nationalistische Regierung entscheidend und führte dazu, dass die Kommunisten weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle bringen konnten, bis sie schließlich 1949 die nationalistischen Truppen vollständig besiegten. In seiner frühen Phase wurde der Konflikt auch als "chinesischer Zwischenfall" bezeichnet.
Vorgeschichte
Viele Historiker legen den Ausbruch des chinesisch-japanischen Kriegs auf den 7. Juli 1937, den Tag der Schlacht um die Lugon Brücke (oder auch Marco Polo-Brücke). Chinesische Historiker jedoch datieren den Anfang des Konflikts auf den 18. September 1931, den Tag des "Mukden Zwischenfalls", an dem Japan in der Mandschurei ein Marionettenregime einrichtete.
Nach dem russisch-japanischen Krieg (1904-5) löste Japan Russland als dominante Macht in der Süd-Mandschurei ab. Gegen Ende der 20er Jahre befürchteten die Japaner, dass die Einigung Chinas unter der Kuomintang Partei japanische Interessen in der Mandschurei gefährden würde. Eine Einschätzung, die bestätigt wurde, als der mandschurische General Hsüeh-liang, der erst kurz zuvor zur Koumintang übergetreten war, sich weigerte, den Bau der Eisenbahn und der Hafenanlagen zu stoppen, die mit der südmandschurischen Linie der Japaner konkurrierte. Hsüeh-liang verwies Japans Beschwerden kurzerhand an die nationalistische Zentralregierung. Als eine Bombe unbekannter Herkunft die japanische Bahnlinie nahe Shenyang (damals als Mukden bekannt) zerstörte, nutzte die japanische Kwantung Armee, die die Linie bewachte, dies im September 1931 als Vorwand für die Besetzung des Südens der Mandschurei.
Trotz Widerständen im japanischen Kabinett und Bitten des Völkerbunds sich wieder auf die Bahnlinie zurückzuziehen, besetzte die Armee die Mandschurei vollständig und errichtete im Februar 1932 den Satellitenstaat Manchukuo.
Japan zwang China die Unabhängigkeit Manchukuos anzuerkennen, anti-japanische Aktivitäten zu unterbinden und autonome Regionalregierungen in Nordchina einzurichten. Dies gelang allerdings nur zum Teil, als China 1933 und 1935 auferlegt wurde, zwei eigenständige demilitarisierte Zonen an der Grenze zur Mandschurei einzurichten.
Der Krieg 1937-45
Die wachsende Opposition gegen die Politik der nationalistischen Regierung, die vorsah, zuerst stäkere Streitkräfte aufzubauen und erst dann zum Gegenangriff überzugehen, führte zur Entführung Chiang Kaisheks durch Chang Hsüeh-liang im Dezember 1936. Für seine Freilassung musste Chiang einer vereinigten anti-japanischen Front mit den Kommunisten zustimmen. Die Situation war bereits angespannt und eskalierte dann im Juli 1937, als japanische Soldaten der Garnison in Beijing und chinesische Streitkräfte an der Marco Polo Brücke aneinandergerieten und damit einen Vorwand für die japanische Besetzung lieferten. Chiang Kai-shek weigerte sich, die japanischen Bedingungen anzuerkennen, um die Feindseligkeiten zu beenden. Stattdessen positionierte er Stosstruppen außerhalb der japanischen Siedlungen Shanghais. Nach längeren Kämpfen fiel Shanghai und die Hauptstadt Nanjing in die Hand der Japaner. Die Chinesen sprengten sogar die Huang He Deiche um das Vorrücken des Feindes zu verlangsamen. Ende 1938 wurden Hankou und Guangzhou eingenommen. Die Strategie zielte darauf ab, die Städte, Strassen und Eisenbahnlinien zu erobern und ein kontrollierbares Netz über das Land zu spannen. So hatten die Japaner 1940 zwar die östlichen Küstengebiete eingenommen, doch hielten die Guerillakämpfe in den eroberten Gebieten unvermindert an. Die nationalistische Regierung, die sich in die provisorische Hauptstadt Chongqing zurückgezogen hatte, setzte den Kampf ohne Hilfe von außen fort. Die Vorräte waren nahezu erschöpft, und der Nachschub über die Strasse von Burma reichte zur keiner Zeit aus. Die Lage Chinas verschlechterte sich trotz weitverbreiteten Widerstands und heftigen Kämpfen zusehens. Aus Zweifeln an Chinas Fähigkeiten einen längeren Konflikt durchzustehen, sagte sich Wang Ching-wei von Chinag Kai-shek los und gründete 1940 eine Kollaborationsregierung in Nanjing.
Als die USA nach der Bombardierung von Pearl Habor in den Krieg eintraten, wurde der chinesisch-japanische Krieg ein weiterer Schauplatz des Zweiten Weltkriegs. Amerikanische und britische Kredite und Hilfslieferungen, der Bau von Militärstützpunkten in China sowie die Hilfe einer wachsenden Zahl von amerikanischen und britischen Militärberatern brachten China einige Unterstützung gegen die japanische Besatzung. Doch Chinas militärische Situation veschlechterte sich weiter bis zum April 1945. Erst im Mai startete China die erste erfolgreiche Offensive bei Zhijiang, die bis zur japanischen Kapitulation am 14. August weiter Fortschritte machte. Die japanischen Truppen kapitulierten offziell am 9. September 1945. Durch die Artikel der Kairoer Deklaration fielen die Mandschurei, Taiwan und die Pescadores wieder zurück an China.
Literatur:
H. Feis. The China Tangle (1953).
F. C. Jones. Japan’s New Order in East Asia (1954).
D. J. Lu, From the Marco Polo Bridge to Pearl Harbor (1961).
J. H. Boyle, China and Japan at War, 1937–1945 (1972).
L. Li, The Japanese Army in North China (1975).