Zweiter Golfkrieg (1991)

Erläuterung:
Krieg zwischen dem Irak und einer Allianz multinationaler Streitkräfte unter der Führung der USA, vom 16. Januar bis 28 Februar 1991, ausgelöst durch die irakische Annexion Kuwaits im August 1990.

Historische Vorgeschichte
Die Streitigkeiten um das Staatsgebiet Kuwaits reichen zurück bis in die Zeit des ausgehenden Osmanischen Reiches. Kuwait war zwar formal Teil des Osmanischen Reiches, hatte sich jedoch durch geschicktes Paktieren mit den mächtigeren Nachbarn weitgehend äußeren Einflüssen entziehen und unabhängig entwickeln können. Erst 1899, nachdem die Bedrohung durch die saudischen Wahabiten und die Ansprüche des Osmanischen Reiches immer deutlicher wurden, entschloss sich Scheich Mubarak al-Sabah, Schutz unter britischem Protektorat zu suchen. Grossbritannien übernahm von nun an die kuwaitische Aussenpolitik und garantierte militärischen Schutz, im Gegenzug liess es der herrschenden Sabah-Familie freie Hand bei den inneren Angelegenheiten. Während Kuwait sich mit diesem Schritt dem osmanischen Expansionsdrang entziehen wollte, sicherte sich Grossbritannien so den Zugriff auf Kuwaits Hafen. Auf Hälfte der Strecke zwischen Indien und Grossbritannien gelegen, war Kuwait als Knotenpunkt für den Handel der East India Company von entscheidender Bedeutung. Außerdem galt es, dem zunehmenden Einfluss des Deutschen Reiches entgegenzusteuern, das in Kooperation mit Konstantinopel die Bagdad-Bahn zügig ausbaute, und als deren Endpunkt Kuwait vorgesehen war.
Nach der Niederlage Deutschlands und des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg wurde das Gebiet, das zuvor den Türken gehört hatte, in Mandatsgebiete aufgeteilt. Das britische Mandat umfasste das Gebiet des heutigen Jordaniens, Israels und Teile Saudi-Arabiens sowie Irak und Kuwait. Die britische Regierung errichtete zwei neue Königreiche, um Verbündete zu belohnen, die Grossbritannien zwischen 1915 und 1917 im Krieg gegen die Türken unterstützt hatten: zum einen Transjordanien, das heutige Jordanien, zum anderen Irak. Das Königreich Irak sollte aus den alten osmanischen Provinzen Al-Mawsil (Mosul), Baghdad und Al-Basrah (Basra) bestehen. Aufgrund der uneindeutigen Rolle, die Kuwait bereits während des Osmanischen Reiches gespielt hatte, blieb jedoch umstritten, ob das kleine Scheichtum bereits damals Teil der Provinz Basra oder eigenständig gewesen sei.
Schon 1913 hatte Kuwait mit dem Osmanischen Reich einen Vertrag über den Verlauf seiner Nordgrenze geschlossen, die Irak kurz nach der Erlangung seiner Unabhängigkeit 1932 anerkannte. Als Kuwait jedoch 1961 in die Unabhängigkeit entlassen wurde, machte Irak seine Ansprüche auf das kuwaitische Staatsgebiet erneut geltend, wieder mit dem Hinweis auf die Zugehörigkeit Kuwaits zur ehemaligen osmanischen Provinz Basra. Im Kern ging es aber um die zwei zwischen dem kuwaitischen Festland und dem Irak gelegenen kuwaitischen Inseln Warbah und Bubiyan. Diese sind für Iraks Zugang zum Persischen Golf von entscheidender Bedeutung, denn von ihnen aus lässt sich der Khawr'Abdallah kontrollieren, die einzige Ausweichroute für den Shatt Al'Arab. Als die britischen Streitkräfte begannen, sich aus Kuwait zurückzuziehen, rückten irakische Einheiten auf die Nordgrenze des neuen Staates vor. Die Briten beendeten ihren Abzug unverzüglich und kehrten in ihre Stellungen zurück. Gleichzeitig rief die kuwaitische Regierung die arabische Liga um Hilfe an. Die von Ägypten, Saudi Arabien, Jordanien und Sudan entsandten Truppen stellten Irak vor eine militärisch wie moralisch unlösbare Aufgabe. 1963 erkannte Irak die Existenz Kuwaits an – nicht jedoch dessen Grenzen, die sollte er erst 1994 akzeptieren.
Im März 1973 besetzten irakische Truppen den kuwaitischen Grenzposten Al-Samitah. Bagdad kündigte an, einen Teil des „besetzten Irak“ nahe der Hafenstadt Umm Qasr besetzen zu wollen. Wieder rief Kuwait die Arabische Liga an. Vermittlungen Saudi Arabiens führten zum Rückzug der irakischen Truppen. 1983 kam es in der selben Region zu einem Zwischenfall, doch diesmal verzichtete Irak auf eine größere Auseinandersetzung, da er auf den Zugang zu kuwaitischen Häfen und kuwaitische Kredite zur Fortsetzung des Krieges gegen den Iran angewiesen war.


Ablauf der Kampfhandlungen
Nach Jahrzehnten irakischer Provokationen war es 1988 Kuwait, das eine erneute Runde im irakisch-kuwaitischen Konflikt auslöste. Am 8. August, nur einen Tag nach dem Friedensschluss zwischen Iran und Irak, erhöhte Kuwait entgegen geltenden OPEC-Beschlüssen seine Ölfördermenge. Für den durch den achtjährigen ersten Golfkrieg wirtschaftlich angeschlagenen Irak sowie andere ärmere ölfördernde Länder bedeutete der aufgrund des plötzlichen Überangebots einsetzende Preisverfall auf den Ölmärkten dramatische wirtschaftliche Probleme. Trotz erneuter OPEC-Beschlüsse im Juni 1989 und entgegen weiterer Vereinbarungen im Juli 1990 blieb die kuwaitische Regierung bei ihrem Kurs und versuchte zudem, die zum Teil widerrechtlich vereinnahmten Ölfelder von Rumailah unmittelbar an der irakisch-kuwaitischen Grenze mit Hilfe amerikanischer Schrägbohrtechniken noch stärker auszubeuten. Gleichzeitig beharrte Kuwait auf Rückzahlung der Kredite, die es Irak während des Krieges gewährt hatte, und lehnte einen Schuldenerlass für den wirtschaftlich gebeutelten Nachbarn kategorisch ab.
Nachdem Vermittlungsversuche verschiedener arabischer Staaten fehlgeschlagen waren, marschierten irakische Truppen am 2. August 1990 in Kuwait ein, besetzten das Land vollständig und erklärten es zur 19. Provinz des Irak.
Noch am Tag des Einmarsches forderte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen den Irak in der Resolution No. 660 auf, Kuwait unverzüglich wieder zu räumen. Die USA begannen gleichzeitig mit der Operation „Desert Shield“ und verlegten grosse Truppenkontingente in die Golfregion, die in den folgenden Wochen von Truppen aus weiteren 31 Ländern, vor allem aus England und Frankreich, aber auch arabischen Nationen wie Ägypten und Syrien verstärkt wurden. Am 6. August folgte die Resolution No. 661, mit der der UN-Sicherheitsrat ein Wirtschafts-, Finanz- und Militärembargo gegen Irak verhängte. Ohne die Einnahmen aus der Erdölförderung, so die Annahme, würden Irak in absehbarer Zeit die finanziellen Mittel zur Weiterführung des Konflikts ausgehen.
Davon unbeeindruckt versuchte der irakische Staatspräsident Saddam Hussein arabische Staaten aus der Allianz herauszulösen. Zunächst beendete er die jahrelange Auseinandersetzung mit dem Iran, indem er alle iranischen Forderungen für einen Friedensvertrag, darunter die Rückgabe der im irakisch-iranischen Krieg eroberten Gebiete am Schatt al Arab sowie die Freilassung aller iranischen Kriegsgefangenen akzeptierte. Gleichzeitig forderte er jedoch auch die Durchsetzung aller UN-Resolutionen bezüglich des Nahostkonflikts als Voraussetzung für eine friedliche Beilegung der Kuwait-Krise, womit er auf die etwa 40 von Israel nicht beachteten Resolutionen anspielte.
Die Antwort des Sicherheitsrates folgte am 29. November in Form der Resolution No. 678, die Irak ein Ultimatum stellte: bis spätestens 15. Januar 1992 sollten sämtliche irakische Truppen Kuwait räumen. Andersfalls seien zur Befreiung Kuwaits „alle erforderlichen Mittel einzusetzen, um der Resolution 660 und allen dazu später verabschiedeten Resolutionen Geltung zu verschaffen und sie durchzuführen und den Weltfrieden und die internationale Sicherheit in dem Gebiet wiederherzustellen“.
Da der Irak das Ultimatum verstreichen liess, begann die Operation „Desert Storm“ am 16. Januar 1991 mit massiven, mehrere Wochen anhaltenden Luftangriffen auf Bagdad und wichtige Militäreinrichtungen. Die Befürchtungen vieler Militärs, es stehe möglichweise ein langer Krieg mit erheblichen Verlusten bevor, da die irakische Armee nominell die viertstärkste der Welt sei, bewahrheiteten sich nicht. Die irakische Luftwaffe entzog sich dem Kampf, verblieb am Boden oder floh in den Iran, wo die Maschinen und ihre Piloten interniert wurden. Binnen weniger Tage wurde die militärische Infrastruktur des Iraks weitgehend zerstört, so dass die Armee größtenteils immobilisiert war. Iraks Versuche, andere arabische Staaten durch Scud-Raketenangriffe auf das unbeteiligte Israel auf seine Seite zu ziehen, blieben erfolglos. Die in der irakischen Propaganda angekündigten und besonders in Israel befürchteten Giftgasangriffe blieben aus. Insgesamt setzte der Irak 39 Scud-Raketen gegen Israel ein, durch die ein Israeli getötet wurde und ein Sachschaden von rund zwei Mrd. Euro entstand.
Nach vier Tagen war Kuwait City von den Alliierten eingenommen. Zehntausende, durch die unablässigen Luftangriffe demoralisierte irakische Soldaten, oftmals Truppen bestehend aus vom Regime verfolgten kurdischen und schiitischen Wehrpflichtigen, gingen in die Gefangenschaft. Weitere Teile der irakischen Armee steckten auf ihrem Rückzug zahlreiche Ölquellen in Brand und verursachten damit eine verheerende Umweltkatastrophe.
Am 24. Februar leitete eine gross angelegte Bodenoffensive der Alliierten die endgültige Niederlage der irakischen Truppen ein. Nach nur vier Tagen vereinbarten die Kriegsgegner eine Waffenruhe. Während der Kampfhandlungen wurden etwa 100.000 irakische Soldaten getötet, die Angaben über zivile Opfern schwanken zwischen 40.000 und 200.000. Die Verluste auf alliierter Seite werden mit etwa 150-300 Soldaten beziffert.
Am 11. April trat ein Waffenstillstandsabkommen, die Resolution No. 687, in Kraft, in dem sich Irak verpflichtet, für in Kuwait entstandene Schäden aufzukommen und seine chemischen und biologischen Waffen sowie andere Massenvernichtungswaffen zu vernichten.


Rolle der Medien
Nicht weniger wichtig als die Ereignisse auf dem Schlachtfeld war ihre Darstellung und Vermittlung in den Medien.
Unmittelbar vor der Besetzung Kuwaits war die breite Öffentlichkeit in den Staaten der späteren Allianz in keinster Weise auf einen Krieg vorbereitet. Im Gegenteil, die politischen Entwicklungen der letzten Jahre mit dem Ende des Ost-West-Konflikts durch den Zusammenbruch der Sowjetunion sowie der deutschen Vereinigung weckten vielmehr Hoffnung auf eine Zukunft ohne grosse kriegerische Auseinandersetzungen.
Entsprechend schwer war es anfangs vor allem für die amerikansche Regierung Bush, die Bevölkerung von der Notwendigkeit eines Waffengangs zu überzeugen. Weder Irak, der als gewöhnliche nahöstliche Diktatur galt, noch Kuwait, das als eine „in Familienbesitz befindliche Ölgesellschaft mit eigener Flagge“ (so die New York Times) betrachtet wurde, besaßen in der amerikanischen Öffentlichkeit übermässige Sympathien. Um für die notwendige Unterstützung der öffentlichen Meinung zu sorgen, wählte die US-Regierung im Sommer 1990 ein Kommunikationsmodell, in dem der Konflikt als eine strukturelle Neuauflage des Zweiten Weltkriegs dargestellt wurde: Irak mit seinen Giftgaseinsätzen gegen die eigenen Minderheiten entsprach dem nationalsozialistischen Deutschland, Saddam Hussein dem personifizierten Bösen, wie ehedem Hitler, folglich war ein totaler Sieg für das Überleben der westlichen Zivilisationen unabdingbar. Eine Darstellung, die von den meisten Medien dankbar aufgenommen und durch fortwährende Dramatisierung auf ein Duell Bush-Saddam zugespitzt wurde. Dass der Krieg dann zur besten Hauptsendezeit, nämlich pünktlich zu den Abendnachrichten in den USA begann, war bei einer solchen Inszenierung sicherlich kein Zufall.
Doch was die Zuschauer dann zu sehen bekamen, war eher enttäuschend. Nach den Erfahrungen des Vietnamkrieges hatten die amerikanischen Militärs diesmal den Zugang zu Informationen streng limitiert. Zusammengefasst in sogenannten „Pools“ durften sich ausgewählte Journalisten erstens nur unter Aufsicht, und zweitens nur an ihnen zugewiesenen Orten bewegen. Das an diesen ausgesuchten Schauplätzen produzierte Material musste nochmals einer „Sicherheitsprüfung“ vorgelegt werden. Eine weitere Informationsquelle waren die täglichen Pressekonferenzen, auf denen der kommandierende General Schwarzkopf vor allem mit Hilfe von Videomitschnitten aus den Kampfflugzeugen und Bombern die Einsätze illustrierte. Die grün schimmernden Aufnahmen der Nachtsichtgeräte gehörten bald zum Standardrepertoire der täglichen Fernsehnachrichten. Sie belegten die „chirugischen Schläge“ der amerikanischen Präzisionslenkwaffen und demonstrierten so nicht nur die technische Überlegenheit der Alliierten, sondern dienten gleichzeitig dazu, die öffentliche Meinung in jenen westlichen Ländern zu beruhigen, in denen am Sinn des Krieges gezweifelt und militärisches Vorgehen wegen der zu erwartenden zivilen Opfer in weiten Kreisen der Bevölkerung abgelehnt worden war.
Unter den Fernsehsendern wiederum kam dem amerikanischen Nachrichtensender CNN eine besondere Rolle zu. Aufgrund der rechtzeitig hergestellten Kontakte hochrangiger CNN-Mitarbeiter zur irakischen Regierung verfügte er als einzige Station über ein Reporterteam direkt in Bagdad. Während in der Nacht vom 16. auf 17. Januar die alliierten Luftangriffe begannen, kommentierte Peter Arnett live vom Dach seines Hotels die Einschläge in der irakischen Hauptstadt. Aufgrund seines vorübergehenden Informationsmonopols (einige Tage nach Kriegsbeginn kehrten auch andere Journalisten nach Irak zurück) diente CNN sogar den politischen Akteuren wie Bush und Kohl als Nachrichtenquelle. Seine „Bilderhoheit“ brachte dem spöttisch genannten „Crisis News Network“ durch die Lizenzzahlungen anderer Sender nicht nur einen erheblichen finanziellen Gewinn, sondern machte es darüber hinaus auch selbst zu einem (ungebührend grossen) Thema.
Literatur:
Pierre Salinger. Secret dossier: the hidden agenda behind the Gulf War. New York, N.Y.: Penguin Books. 1991. viii, 241 p.

Pierre Salinger, Eric Laurent. Krieg am Golf. Das Geheimdossier. München: Hanser. 1991. 222 p.

Mira Behan. Kriegstrommeln. Medien, Krieg und Politik. München: dtv. 1996. 260 p.
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