Afghanistan-Krieg (1979-1989)

Erläuterung:
Konflikt zwischen den antikommunistischen afghanischen Guerillas (Mudjaheddin) und der afghanischen Regierung und den Streitkräften der UdSSR.

Nach 40 Jahren im Amt wurde der letzte König Afghanistans im Juli 1973 von seinem Vetter Mohammed Daud Khan gestürzt. Dieser proklamierte zwar die Republik, regierte jedoch diktatorisch und ernannte sich selbst zum Präsidenten, Verteidigungs- und Außenminister. Ende April 1978 wurde er in einem blutigen Staatsstreich gestürzt und exekutiert. Der „nationale Revolutionsrat“ ernannte den prosowjetischen Kommunistenführer Nur Mohammed Taraki zum Präsidenten und Premierminister der neu ausgerufenen „Demokratischen Republik Afghanistan“.
Die neue Regierung hatte sich zum Ziel gesetzt, die traditionelle Gesellschaftsstruktur radikal umzugestalten und einen einheitlichen sozialistischen Staat zu schaffen. Beide Vorhaben stiessen auf massiven Widerstand der Bevölkerung. Zum einen stand die Vielzahl der ethnisch, religiös und tribal eigenständigen Herrschaftsbereiche einem afghanischen Nationalstaat entgegen, zum anderen rief die geplante Bodenreform breite Proteste bei der traditionell-islamisch orientierten Bevölkerung hervor, die schließlich zum bewaffneten Widerstand führten. Nach undurchsichtigen Machtkämpfen in der Demokratischen Volkspartei Afghanistans (DVPA) trat Taraki im März 1979 zunächst als Premierminister zurück. Im September wurde er seiner weiteren Ämter enthoben. Bei einer Konfrontation von Anhängern Tarakis und denen seines parteiinternen Widersachers Hafizullah Amins wurde Taraki ermordet. Nachdem Amin Tarakis Ämter übernommen hatte, versuchte er, sich dem sowjetischen Einfluss zu entziehen und begann stattdessen, um die Unterstützung Pakistans und der Vereinigten Staaten zu werben. Um ihren Einfluss auf Afghanistan zu wahren und den Sturz der Regierung durch die aufständischen Mujahedin zu verhindern, begann die Sowjetunion am 27. Dezember mit der Invasion des Landes. Amin und seine Anhänger wurden noch am gleichen Tag exekutiert und der gerade aus dem europäischen Exil zurückgeholte Babrak Karmal als Präsident eingesetzt.
Entgegen der sowjetischen Rechtfertigung, dass der Einmarsch auf ein Hilfeersuchen Afghanistans erfolgt sei sowie um die eigene Sicherheit zu schützen, betrachteten die meisten Staaten die Invasion als Verletzung eines blockfreien Landes. Die weltweiten Proteste führten im Januar und November 1980 zu Resolutionen der UN-Vollversammlung, in denen ein sofortiger Abzug aller sowjetischen Truppen gefordert wurde. Die USA reagierten mit einer Verschiebung der Ratifizierung des SALT-II Abkommens, leiteten Boykottmassnahmen gegen die UdSSR ein (z.B. bis April 1981 Getreideembargo) und organisierten unter den westlichen Nationen einen Boykott der 1980 in Moskau stattfindenden Olympischen Spiele.
Währenddessen wuchs die Zahl der in Afghanistan stationierten sowjetischen Truppen von anfangs 30.000 auf 100.000 Mann unvermindert an. Die Widerstandsbewegung gegen das Regime und die Besatzungsmacht blieb jedoch aktiv und gewann durch chinesische, pakistanische und US-amerikanische Unterstützung an militärischem Gewicht. Auch wenn die UdSSR in den Anfangsjahren der Invasion über bessere Ausrüstung und Waffen sowie komplette Lufthoheit verfügte, gelang es den Rebellen erfolgreich, auszuweichen. Mit Fortschreiten des Krieges verbesserten die „Mudjaheddin“ genannten Kämpfer ihre Organisation und Taktik und gebrauchten zunehmend importierte und erbeutete Waffen, darunter amerikanische Luftabwehrraketen.
Nach sechs Jahren ohne eine Veränderung der Lage setzten die UdSSR Karmal ab und Parteiführer Mohammad Najibullah wurde Präsident. Im Februar 1988 kündigte der Moskauer Staats- und Parteichef Michael Gorbatschow den Rückzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan an. Im April wurde nach Verhandlungen in Genf zwischen Afghanistan und Pakistan mit den USA und der UdSSR als Garantiemächten ein Abkommen geschlossen, das gegenseitige Nichteinmischung und Rückkehr aller Flüchtlinge vorsah. Die UdSSR zog ihre Truppen bis Februar 1989 ab. Die Widerstandsgruppen („Mudschaheddin”) waren an dem Abkommen nicht beteiligt. Sie setzten ihren Kampf gegen die Regierung Najibullah fort.

In zehn Kriegsjahren starben etwa eine Million Afghanen, weitere fünf Millionen flüchteten in die benachbarten Länder Pakistan und Iran. 15.000 russische Soldaten wurden getötet, 37.000 verwundet.
Literatur:
Wolfgang von Erffa. Das Vermächtnis des eisernen Emirs - Afghanistans Schicksal. Böblingen: Tykve, 1989.

Günter Schröder. Afghanistan zwischen Marx und Mohammed - Materialien zur Afghanischen Revolution. Giessen, 1980.
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