Befreiungskriege oder Deutsche Freiheitskriege (1813-1815)

Erläuterung:
Kriege zwischen dem napoleonischen Frankreich und einer Koalition europäischer Mächte 1813-15.
Ausgangspunkt der Befreiungskriege ist die militärische Katastrophe des Russlandfeldzugs Napoleons I. im Jahre 1812 und der daraus resultierenden Bereitschaft des Zaren Alexander I., bestärkt durch den Freiherrn von Stein, den Verteidigungskrieg zur Befreiung Europas von der napoleonischen Fremdherrschaft fortzusetzen.
Die Konvention von Tauroggen vom Dezember 1812 leitete die preußisch-russische Zusammenarbeit ein. Im März 1813 erfolgte die preußische Kriegserklärung an Frankreich. Während Friedrich Wilhelm III. von Preußen lange gezögert und sich nur allmählich auf die neue Situation eingestellt hatte, ging v.a. nach dem Aufruf „An mein Volk“ eine Welle patriotischer Begeisterung und Opferbereitschaft durch Preußen (E. M. Arndt, Th. Körner). Durch freiwillige Spenden („Gold gab ich für Eisen“) konnten Truppen ausgerüstet und verstärkt werden. Freiwilligenverbände der zumeist akademischen Jugend und Freikorps (u.a. das des Majors von Lützow) wurden gebildet.
Russland und Preußen konnten nach zum Teil schwiergen Verhandlungen, u.a. auch über territoriale Ansprüche, zunächst nur Schweden und Großbritannien als Verbündete gewinnen. Die deutschen Staaten mit Ausnahme Mecklenburg-Schwerins blieben auf der Seite Napoleons. Österreich hielt die Lage noch nicht reif für eine Entscheidung, löste sich jedoch aus der Allianz mit Napoleon und übernahm – nach den Worten Metternichs – die Rolle eines bewaffneten Vermittlers.
Noch vor Ende von Verhandlungen mit möglichen Verbündeten im Kampf gegen Napoleon, kam es zum Frühjahresfeldzug 1813. Nach anfänglichen Erfolgen der russisch-preußischen Truppen gegen die Reste der Grande Armée kam Napoleon mit neuen Kräften nach Deutschland und zwang durch seine Siege am 2. Mai bei Großgöschen und am 20./21. Mai 1813 bei Bautzen die russisch-preußischen Truppen um Rückzug nach Schlesien. Überraschenderweise erklärte sich Napoleon am 5. Juni zum Waffenstillstand von Pleiswitz bereit. Die daraufhin einsetzenden Vermittlngsversuche von Metternichs scheiterten jedoch an der unnachgiebigen Haltung Napoleons. Österreich schwenkte in die Front der Napoleongegner ein und erklärte am 12. August 1813 Frankreich den Krieg; gleichzeitig übernahm es die führende Rolle innerhalb der Koalition.
Nach zunächst auf beiden Seiten wechselndem Kriegsglück wurde Napoleon in der sog. Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813) entscheidend geschlagen. Die napoleonische Herrschaft in Deutschland brach zusammen, die Rheinbundstaaten fielen von Napoleon ab und traten der Koalition bei. Bis zum Jahresende 1813 war Deutschland bis zum Rhein befreit; die Niederlande, Dänemark und das Königreich Neapel schlossen sich 1813/14 der Koalition an. Da Napoleon Verhandlungen ablehnte, rückten die Koalitionstruppen mit Ausnahme Schwedens 1814 in Frankreich ein. Die Uneinigkeit der Verbündeten über das weitere politische Vorgehen gegen Napoleon ließen in Chatillon-sur-Seine den nur halbherzig geschlossenen Frieden, in dem ein napoleonisches Frankreich in den Grenzen von 1792 akzeptiert worden war, scheitern. Erst im Vertrag von Chaumont vom 9. März 1814 konnte die Einigkeit unter den Verbündeten wiederhergestellt und der Zusammenschluss Großbritanniens, Österreichs, Russlands und Preußens zur Quadrupelallianz erreicht werden. Als Kriegsziele wurden festgelegt: der Sturz Napoleons und die Rückführung Frankreichs auf die Grenzen von 1792 und die Unabhängigkeit der benachbarten Staaten. Mit der Einnahme von Paris am 31. März 1814 durch die Koalitionstruppen dankte Napoleon am 6. April ab und wurde nach Elba verbannt. Mit dem ersten Pariser Vertrag wurden die Befreiungskriege vorläufig abgeschlossen; eine endgültige Friedensregelung sollte erst der Wiener Kongress erarbeiten.
Noch während der Verhandlungen in Wien kehrte Napoleon von Elba zurück (März 1815) und versuchte, die Herrschaft in Frankreich zu übernehmen. Von den erneut zur Quadrupelallianz zusammengeschlossenen Mächten als Usurpator geächtet, wurde Napoleon bei Waterloo (auch: Belle Alliance) endgültig geschlagen und nach Sankt Helena verbannt. Die seit 1792 bis 1815 andauernde Kriegsperiode fand ihren Abschluss im Wiener Kongress, der zur Neuordnung Europas führte. Die in den Befreiungskriegen vielfach laut gewordenen Forderungen nach einem geeinten deutschen Nationalstaat, nach konstitutioneller Begrenzung der monarchischen Regierungen und nach individuellen Rechten blieben dagegen weitgehend unerfüllt. Dem Patriotismus und der Opferbereitschaft von 1813 folgten der Deutsche Bund und die lähmende Restauration im Metternischen System.
Literatur:
Hans-Bernd Spies (Hg.). Die Erhebung gegen Napoleon: 1806-1814/15. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1981.
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