Russische Revolutionen (1905, 1917)

Erläuterung:
Zwischen 1905 und 1907 kam es im zaristischen Russland zunehmend zu Unruhen gegen die konservative und autokratische Regierungsform. Gründe für die Unruhen lagen unter anderem im russisch-japanischen Krieg und im Petersburger Blutsonntag von 1905. Der russisch-japanische Krieg sollte von innenpolitischen Problemen ablenken, endete allerdings mit der Niederlage Russlands, was seine Position im Osten schwächte. Im Land selbst verschlechterte sich die wirtschaftliche und soziale Situation und die Unzufriedenheit der Bevölkerung, besonders der gebildeten Schichten, wuchs an. Im Januar 1905 zogen 150.000 Arbeiter friedlich und unbewaffnet zum Winterpalast, um öffentlich bürgerliche Freiheiten, ein Parlament und wirtschaftliche Reformen zu fordern, doch sie wurden überraschend von der russischen Armee angegriffen und etwa 1000 Arbeiter wurden erschossen. Nach diesem Petersburger Blutsonntag solidarisierte und radikalisierte sich die Bevölkerung in ihrem Kampf gegen die Regierung des Zaren Nikolaus II. Die revolutionären Streik- und Protestbewegungen setzten sich fort und Regierung und Bürokratie konnten die Entstehung eines öffentlichen politischen Lebens nicht verhindern. Das Ende dieser ersten Revolution war die Auflösung der zweiten Staatsduma (Volksversammlung) und die Einführung eines neuen Wahlrechts, welches es dem Zaren ermöglichte, die Vorherrschaft der konservative Kräfte zu sichern. Die Unzufriednheit der Bevölkerung hielt daher weiterhin an.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 stellten sich die meisten russichen Bauern zunächst auf Regierungsseite, doch der für Russland ungünstige Kriegsverlauf und die schlechte Versorgungslage der Bevölkerung führten zu neuerlicher Proteststimmung. Die Februarrevolution von 1917 durch die Arbeiterbewegung beendete die Zarenherrschaft. Es wurde eine koopertive Doppelregierung aus einer provisorischen Regierung (Duma) und Arbeiter- und Soldatenräten (Sowjets) eingesetzt. Die Rückkehr Lenins aus dem Exil führte dazu, dass die provisorische bürgerliche Regierung, die er für kapitalistisch und unfähig hielt, immer weniger Unterstützung fand und die Bolschewiki Macht gewannen.
Im Oktober 1917 nahmen dann bewaffnete Bolschewiki unter Trotzkis Führung wichtige Einrichtungen in der Hauptstadt Sankt Petersburg (damals Petrograd) ein, setzten die Regierung ab und riefen die Machtübernahme der Sowjets aus. Es folgte der russische Bürgerkrieg von 1917 bis 1921, der schließlich 1922 mit der Gründung der Sowjetunion endete.
Literatur:
Orlando Figes: Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924. Berlin: Berlin-Verl., 1998.

Helmut Altrichter: Russland 1917: Ein Land auf der Suche nach sich selbst. Paderborn: Schöningh, 1997.
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