Erläuterung:
Dreimonatiger Krieg zwischen Argentinien und Grossbritannien um die Falklandinseln.
Im Südatlantik etwa 500 km vor der argentinischen Küste liegen die Falklandinseln. Sie bestehen aus zwei Hauptinseln, East und West Falkland sowie 200 kleineren Inseln. Der Zeitpunkt ihrer Entdeckung ist umstritten und dies ist die Ursache für die rivalisierenden Besitzansprüche, die wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen den beteiligten Staaten führte.
Für die Briten will der Seefahrer John Davis die Inseln im Jahre 1592 entdeckt haben. Er benannte die Inselgruppe nach dem Viscount Falkland, dem Schatzmeister der englischen Kriegsmarine. Die Argentinier hingegen berufen sich auf Estéban Gómez, der bereits 1519 vor Ort gewesen soll. Die erste Besiedlung aber erfolgte nach der Expedition des Franzosen Bougainville im Jahr 1764, der die Inseln „Malouines“ nannte (nach St. Malo). Frankreich verkaufte die Inseln gegen eine Entschädigung an Spanien, woraufhin auch Großbritannien im Jahr 1771 unter Eigentumsvorbehalt die spanische Souveränität über die „Malvinas“ (so der mittlerweile hispanisierte Name) anerkannte. Nachdem Argentinien seine Unabhängigkeit erklärt hatte, wurden die Inseln 1820 von Argentinien in Besitz genommen. Zwölf Jahre später (1832/33) eroberten die Briten die Falklands, erkärten sie 1842 zur Kronkolonie - und behielten sie bis heute.
Ursache für die jahrhundertelangen Streitigkeiten um die abglegene Inselgruppe ist ein völkerrechtliches Dilemma. Einerseits verlangt das Dekolonisationsgebot die Rückgabe der Inseln an Argentinien. Ein Anspruch, der für die argentinische Öffentlichkeit enorme emotionale Bedeutung hatte und fester Bestandteil im Unterrichtsstoff der Schulen war. Andererseits gilt auch für die Bewohner der Falklandinseln das Selbstbestimmungsrecht – und diese fühlen sich mehrheitlich Großbritannien zugehörig. Darüber hinaus besitzen die Falklandinseln keine geringe geopolitisch-strategische Bedeutung, zum einen als Stützpunkt, zum anderen, weil sie als Legitimation für den argentinischen Arktisanspruch und die dort vermuteten Bodenschätze dienten.
Auch in den Jahrzehnten vor dem Ausbruch des Falklandkrieges wurde wiederholt verhandelt, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Ausschlagebend für die argentinische Invasion vom April 1982 waren aber rein innenpolitische Erwägungen.
Die Militärjunta des Generals Galtieri, dank amerikanischer Unterstützung seit 1976 an der Macht, hatte das Land durch eine extreme Freihandelspolitik an den Rand des Ruins getrieben. Weite Teile der Bevölkerung waren verarmt und machten ihrem Unmut über die Verhältnisse zunehmend öffentlich Luft. Das Regime antwortete mit brutalen Repressionen. Es suchte nach einer Möglichkeit, vom allgemeinen Unmut über die innerargentinischen Verhältnisse durch einen äußeren Konflikt abzulenken. Die spektakuläre Besetzung der „Malvinas“ am 2. April 1982, so hofften die Militärs, würde den Patriotismus der argentinischen Bevölkerung wecken und von der Lage im eigenen Land ablenken. Eine Rechnung, die nur bis zum Eingreifen Grossbritanniens aufging.
Auch Grossbritannien litt unter starken wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen. Die liberale Wirtschaftpolitik der seit 1979 amtierenden konservativen Regierung unter Magaret Thatcher war geprägt von Subventionsabbau, Privatisierungen von Staatsbetrieben und der Schwächung der Gewerkschaften. Für viele Briten bedeutete dies steigende Lebenshaltungskosten bei weniger Einkommen oder sogar Arbeitslosigkeit. Die argentinische Invasion der Falklandinseln bot auch Thatcher die willkommene Gelegenheit, um von den innenpolitischen Problemen abzulenken und für eine breite Unterstützung der Regierung zu werben.
Auslöser des Konflikts waren dreissig argentinische Schrottsammler, die am 19. März 1982 auf South Georgia Island landeten und die argentinische Flagge hissten. Die Forderung des UN-Sicherheitsrates nach sofortigem Abzug der Argentinier blieb ungehört. Am nächsten Tag setzte sich die Hälfte der britischen Garnison von Stanley aus in Marsch. Mit dem Auftrag, die Argentinier wieder aufs Festland zu bringen, trafen 22 Marines und ein Leutnant am 23. März auf der Insel ein. Am 26. landeten ein Hundert argentinische Soldaten, um ihre Landsleute zu beschützen. Die zahlenmässig unterlegenen Briten beobachteten die Truppen bis zum 3. April, als sich die Marines auf South Georgia ergeben mussten und Stanley von den Argentiniern besetzt wurde. Binnen weiterer 24 Stunden landeten mehr als 4.000 argentinische Soldaten auf den Inseln. Wenige Tage zuvor hatten die USA, die wegen ihrer Bündnisverpflichtungen gegenüber beiden Kontrahenten anfangs neutral geblieben waren, diese Haltung nach erfolglosen Vermittlungsbemühungen aufgegeben und schlugen sich ganz im Sinne der „special relationships“ auf die Seite Großbritanniens.
Um die argentinischen Nachschubwege zu schwächen, erklärte Grossbritannien einen 200 Meilen Radius um die Inseln zur Sperrzone. Drei Atom-U-Boote überwachten das Gebiet, bis drei Wochen später Schiffe der britische Flotte eintrafen. Insgesamt 65 Schiffe mit 15.000 Soldaten wurden von Grossbritannien aus in Marsch gesetzt.
Am 25. April gelang es britischen Einheiten, bestehend aus zwei Zerstörern, sechs Helikoptern und 230 Mann, die argentinische Garnison auf South Georgia, die außerhalb der Sperrzone lag, mit ihren 156 Mann Besatzung zu überwältigen.
Ab Anfang Mai mit dem Eintreffen erster Einheiten der britischen Flotte im Osten der Falklandinseln eskalierten die Kampfhandlungen. Der britische Plan lautete, Überlegenheit zu Wasser und in der Luft herzustellen, indem argentinische Kriegsschiffe und Flugzeuge vom Mutterland weggelockt würden, um sie dann zu zerstören und so eine amphibische Landung in Stanley vorzubereiten. Zwei britische U-Boote im Norden der Falklands sollten die argentinische Flotte sowie den Flugzeugträger De Mayo in Schach halten, ein drittes U-Boot wurde im Süden der Insel gegen den argentinischen Kreuzer Belgrano eingesetzt. Der Kreuzer mit seinen weitreichenden EXOCET-Raketen wurde torpediert und versenkt. 368 der 1042 Crewmitglieder kamen dabei ums Leben. Die argentinische Flotte zog sich daraufhin nach Norden zurück.
Die argentinische Luftwaffe setzte ihre Angriffe auf britische Schiffe während des gesamten Krieges fort. 75 Prozent der britischen Schiffe wurden aus der Luft getroffen, drei von ihnen versenkt, zwei weitere wurden mit EXOCET-Raketen versenkt. Die Briten hingegen schossen die Hälfte der 134 argentinischen Kampfflugzeuge ab.
Nach einer dreiwöchigen Bodenoffensive mit Landungsunternehmen auf der östlichen Falklandinsel und der Einnahme Stanleys endete der Krieg mit der Kapitulation der argentinische Truppen am 14. Juni 1982.
Nach offiziellen Angaben beider Seiten waren den Kämpfen 712 Argentinier und 265 Briten zum Opfer gefallen. Einige hundert argentinische Soldaten wurden noch knapp einen Monat nach der Kapitulation (11. Juli) gefangen genommen. Die britische Souveränität wurde wiederhergestellt. Gekostet hat der Krieg umgerechnet knapp zwei Milliarden Euro für Großbritannien und mehr als 1,1 Milliarden Euro für Argentinien.
In Argentinien gab die militärische Niederlage der Junta den entscheidenden Stoß zum Rückzug von der Macht. Doch auch die demokratischen Folgeregierungen beharrten zunächst auf den historischen Besitzansprüchen. Im Oktober 1986 dehnte Großbritannien die Sperrzone um die Inseln aus, was zu einer erneuten Konfrontation der beiden Staaten führte. Währenddessen bemühte sich Grossbritannien Fakten zu schaffen: die Garnison wurde auf bis zu 3.000 Soldaten aufgestockt, der Flugplatz wurde für militärische Zwecke großzügig ausgebaut.
Eine Entspannung im Verhältnis zwischen Argentinien und Großbritannien brachte erst der Amtsantritt des peronistischen argentinischen Präsidenten Carlos Menem 1989: Beide Länder nahmen wieder diplomatische Beziehungen auf, 1995 schlossen sie sogar ein Abkommen zur gemeinsamen Nutzung der Erdöl-Vorkommen zwischen den Falkland-Inseln und dem argentinischen Festland. Die geplante Erdölförderung ist nur lukrativ, wenn die ehemaligen Kriegsparteien effektiv zusammenarbeiten. Möglich wurde das Abkommen durch die sogenannte „Regenschirm-Formel“, die die Frage nach der Souveränität über die Inseln ausklammerte.
Allerdings zeichnen sich Meinungsverschiedenheiten zwischen der Falkland-Bevölkerung und der britischen Regierung ab, die an den erwarteten Einkünften beteiligt werden will. Andererseits ist die Inselbevölkerung auch an einem tragfähigen Kompromiss zwischen Argentinien und Großbritannien interessiert: Eine stabile Kooperation würde längerfristige Fischereiabkommen anstelle der jährlich zu erneuernden Lizenzvergabe ermöglichen. Allein die Vergabe dieser Fischereilizenzen sichert der Falkland-Bevölkerung eine lukrative Einnahmequelle.
Literatur:
Lawrence Freedman. Britain and the Falklands War. Oxford: Basil Blackwell, 1988.
Lawrence Freedman/ Virginia Gamba-Stonehouse. Signals of War. The Falklands Conflict of 1982. Princeton, New Jersey: Princeton University Press, 1991.
Paul Eddy/ Magnus Linklater/ Peter Gillman: Falkland: Der Krieg vor den Toren der Antarktis. Stuttgart: Seewald, 1985.