Jenin, Jenin

Originaltitel:
Jenin, Jenin
Weitere Titel:
Jenine Jenine
Produktionsland / Jahr:
Originallänge:
54 min. , Farbe
Uraufführung:
Literarische Vorlage:
Kamera:
Musik:
Darsteller (Rolle):
Weitere Personen:
Zusammenfassung:
Im April 2002 rückte die israelische Armee in das Flüchtlingslager Jenin ein, in dem ungefähr 15.000 Palästinenser leben. Hintergrund der Aktion: zahlreiche palästinensische Selbstmordattentäter stammten angeblich aus Jenin oder nutzen das Lager als Basis für ihre Anschläge. Was als Razzia geplant war, wie sie in Israel zum schrecklichen Alltag gehören, entwickelt sich zu einem tagelangem Haus-zu-Haus-Kampf. Im Stil eines Videoclips montiert Regisseur Bakri Bilder aus Nachrichtensendungen und selbstgedrehte Aufnahmen aus Jenin mit zahlreichen Interviews von Menschen vor Ort.
Krieg:
Literatur:
Ramzy Baroud (ed.). Searching Jenin. Cune Press. 2003. 288p.
Bemerkungen:
Regisseur Bakri hatte nie die Absicht, eine objektive, um Ausgewogenheit bemühte Dokumentation zu drehen. Für ihn war das Projekt von Anfang an ein sehr emotionales. Sein Film zeigt die Tage der Besetzung Jenins aus Perspektive der Palästinenser - ihre Ohnmacht, Verzweifelung und Trauer - vor allem durch Interviews mit Augenzeugen und Angehörigen von Getöteten.
Doch der Eindruck von Authentizität wird nicht durch ihre gefühlsbeladenen Aussagen sondern letztendlich durch Bakris Montagetechnik zerstört. In gleich mehreren Szenen behauptet Bakris Film Dinge, die er nicht beweist. In einer Einstellung sieht man einen israelischen Panzer auf einige am Boden liegende Palästinenser zusteuern. Dann folgt ein Schnitt. In der nächsten Szene werden Leichen weggetragen – als seien die Panzer über die Menschen gefahren. Aber war es tatsächlich so?
Ein anderes Beispiel: gleich zu Beginn des Films zeigt Bakri ein Haus, das in die Luft gejagt wird. Scheinbar ein Beweis für das brutale Vorgehen der Armee. Jedoch: die Bilder sind von der Pressestelle der israelischen Armee an Journalisten verteilt worden. Im weiteren Verlauf hätte der Zuschauer erfahren können, dass dieses Haus als Sprengstofflabor genutzt worden war, doch diese Information enthält Bakri dem Zuschauer vor.
Diese und einige andere Szenen führten dazu, dass die israelische Zensurbehörde zum ersten Mal seit 15 Jahren einen Film verbot. Mütter von in Jenin gefallenen Soldaten hatten das Verfahren angestrengt. Darüber hinaus wurde Regisseur Bakri von Reservisten der israelischen Armee wegen Rufmords verklagt. Durch den Prozess und gerade wegen des Verbots wurde „Jenin, Jenin“ schnell zu einem Kultfilm, der in zahlreichen Underground-Vorführungen auch ein breites israelisches Publikum fand.
Erst am 11. November 2003 hob Israels höchstes Gericht das Verbot wieder auf. Die Richter waren der Meinung, ein Verbot schränke die Meinungsfreiheit zu stark ein.

„Jenin, Jenin“ ist dem Produzenten des Films, Iyad Samudi, gewidmet, der nach den Dreharbeiten in seinen Heimatort Yamun zurückkehrte. Am 23 Juni 2002 belagerte die israelische Armee den Ort. Als Samudi mit drei Freunden versuchte, die abgeriegelte Stadt zu verlassen, wurde er tödlich getroffen.

2002 u.a. bei den Filmfestivals in Amsterdam, Fribourg, Belfast, Kopenhagen ausgezeichnet.

Obwohl großangelegte Durchsuchungsaktionen der Armee in Israel seit vielen Jahren zum Alltag gehören, erregte die Operation in Jenin besondere Aufmerksamkeit. Aufgrund des überaus brutalen und willkürlichen Vorgehens der Armee kursierten bald Gerüchte über Massaker an der palästinensischen Bevölkerung. Hunderte Palästinenser seien ermordet worden. Nach Untersuchungen von Human Rights Watch sind diese Zahlen zwar übertrieben. Die Organisation recherchierte 52 Tote, davon 22 Zivilisten. Einige Erschießungen können jedoch durchaus als Kriegsverbrechen bezeichnet werden, denn bei der Wahl ihrer militärischen Mittel habe die israelische Armee keinen Unterschied zwischen Zivilisten und Kombattanten – von denen es etwa 80-100 gegeben haben soll – gemacht.

Weitere Seiten zum Thema:
- http://this.is/jenin/
- http://electronicintifada.net/v2/article843.shtml
- http://www.zeit-fragen.ch/ARCHIV/ZF_92a/T08.HTM
Erhältlich:
Video VHS: http://www.arabfilm.com/item/242/