Speer und Er

Originaltitel:
Speer und Er
Weitere Titel:
Speer and Hitler - The Devil's Architect
Produktionsland / Jahr:
Originallänge:
3x90 min. , Farbe
Uraufführung:
9 May 2005, ARD
Literarische Vorlage:
Heinrich Breloer. Speer und Er. Hitlers Architekt und Rüstungsminister. Berlin: Propyläen Verlag, 2005.
Produzent:
Kamera:
Schnitt:
Musik:
Weitere Personen:
Zusammenfassung:
"Speer und Er" ist ein dreiteiliges Filmprojekt über den Architekten, Rüstungsminister und Kriegsverbrecher Albert Speer. Dieser Heidelberger Bürgersohn und Adolf Hitler treffen aufeinender und es entsteht eine Männerfreundschaft, während der sich die beiden in ihrem Größenwahn und Höhenrausch verlieren.

Im ersten Teil wird Speers Aufstieg zu Hitlers Kriegsorganisator erzählt und schließlich auch sein Fall, denn der Film beginnt in einer Nürnberger Gefängniszelle, in der Speer darauf wartet, dass die Aliierten ihm den Prozess machen. Speer verleugnet seine enge Beziehung zu Hitlers Politik, behauptet von nichts gewusst zu haben und stellt sich als ahnungslosen Künstler dar.
Als junger Mann begeister er den Führer mit seinen gigantischen Bauvorhaben, die die Größe und Macht des Führers und seines Reiches unterstreichen sollen, woraufhin Hitler ihm sofort die finanziell nötigen Mittel zur Verfügung stellt.
Ungeachtet der Judenverfolgung und der Kriegsgefangenen entwirft Speer weiter Tempel des Dritten Reiches- Heiligtümer des Nationalsozialismus. GERMANIA wird zum Sinnbild der neuen Stadt Berlin, an deren Zukunft sich die beiden Männer berauschen.
Speers sechs Kinder leben unterdessen unbeschwert auf Hitlers Hof am Obersalzberg, während ihr Vater in der Hauptstadt einen furchtbaren Krieg steuert.
Der Film begleitet Speers Kinder auf eine unangenehme Reise in die Vergangenheit und in die Welt des Vaters. Diese ist für die Kinder umso erschreckender, da das Bild des Vaters, der dann und wann zu Besuch kommt und sich so liebevoll ihnen gegenüber verhält, so gänzlich dem Bild eines brutalen, machtbesessenen Reichsministers widerspricht.

Im zweiten Teil der Trilogie treten nebeneinander die Hauptangeklagten des Nürnberger Prozesses auf. Teilweise in authentischen Filmprotokollen, teilweise in Nachinszenierungen wird dargestellt, wie es Speer gelingt sich von Hitler zu distanzieren und die Figur des Gentleman-Nazis Speer aufzubauen, der ein einsichtiger Büßer ist und angibt nichts weiter zu wissen. So schafft er sich Feinde unter den alten Parteigenossen, aber auch Sympathisanten unter den Aliierten, wie den amerikanischen Chefankläger Robert Jackson, und bei Publikum und Presse.
Albert Speer macht sich während des Prozesses und auch später in seinen Büchern zu einer Entlastungsfigur, indem er angibt keine Ahnung von dem Völkermord gehabt zu haben.
Auch im Kreuzverhör kann er seine wahre Verbindung zu den Verbrechen des Dritten Reiches verschleiern und stellt seine eigene Person als "besten Freund" Hitlers dar, der als unpolitischer Technokrat und Künstler vom Genozid nichts mitbekam.
In diesem Teil des Films werden allerdings Dokumente zusammengetragen, die dieses Bild widerlegen und seine Beteiligung an der Judenvertreibung und der Bau des Konzentrationslagers "Dora", den er gemeinsam mit Himmler vorantrieb, belegen. Diese Informationen hätten in Nürnberg zu einer Verurteilung zum Tode geführt.

Der dritte und letzte Teil beschäftigt sich mit den 20 Jahren, die Speer im Gefängnis in Spandau verbrachte. In diesem Gefängnis ist nur ein Flur belebt, in dem sieben Nazi-Größen einsitzen. Speer ist die Nr.5. Man sieht ihn, wie er seine Rückkehr vorbereitet, den Gefängnisgarten umgestaltet und versucht das Leben seiner sechs Kinder zu steuern. Ein einflussreicher Kreis von Architekten und Managern spendet unterdessen, während des Wiederaufbaus der Bundesrepublik zu einem wirtschaftlich starken und unabhängigen Land, ständig Beträge auf ein Schuldgeldkonto, über welches Speer von seiner Zelle aus verfügen kann.
Speer kann seine Preson noch weiter zu einem intelligenten und weltläufigen Bestseller-Autor entwickeln. Er distanziert sich von seiem ehemaligen Freund Hitler und verändert seine Vergangenheit, sodass sie als strahlende Legende erscheint.
Speers Kinder, die als Arzt, Politiker, architekt, Wissenschaftler und Ingenieur ihren Weg in der neuen Demokratie suchen, haben widersprüchliche Gefühle dem Vater gegenüber und müssen sich in einer Welt des Wissens und Nicht-Wissen-Wollens zurechtfinden.
Literatur:
Joachim C. Fest. Speer. Eine Biographie. Berlin: Fest, 1999.

Margrit Frölich/ Christian Schneider/ Karsten Visarius (Hg.). Das Böse im Blick : die Gegenwart des Nationalsozialismus im Film. München: Ed. Text + Kritik, 2007.

Albert Speer. Erinnerungen. Berlin: Propyläen-Verlag, 1969.

Dan van der Vat. Der gute Nazi. Albert Speers Leben und Lügen. Berlin: Henschel, 1997.
Bemerkungen:
Teil 1: Germania - Der Wahn
Teil 2: Nürnberg - Der Prozess
Teil 3: Spandau - Die Strafe

Homepage: http://www.wdr.de/tv/speer_und_er/index.phtml?flash=1
Erhältlich: