Johnny Got His Gun

Originaltitel:
Johnny Got His Gun
Weitere Titel:
Johnny zieht in den Krieg, Johnny s'en va-t-en guerre
Produktionsland / Jahr:
Originallänge:
111 min. , Farbe
Uraufführung:
4 August 1971, New York City
Literarische Vorlage:
Dalton Trumbo. Johnny Got His Gun. New York: Lippincott, 1939.
Produzent:
Schnitt:
Zusammenfassung:
Am letzten Tag des Ersten Weltkriegs wird der amerikanische Soldat Joe Bonham von einer Mine schwer verletzt. Er verliert seine Arme und Beine, und kann nicht mehr sehen, hören, sprechen oder riechen. Die Ärtzte glauben, er sei bloss noch eine lebende Hülle. Doch Joe ist bei Verstand und auch sein Tastsinn ist intakt. Eine Krankenschwester entdeckt, dass Joe noch immer in der Lage ist, sich mitzuteilen. Sie kommuniziert mit ihm, indem sie ihm mit dem Finger Buchstaben auf seine Brust schreibt. Er antwortet ihr, indem er seinen Kopf im Morsecode bewegt. Trotz Joes unerträglichen Situation weigert sich der Chefarzt, Informationen über Joes Schicksal nach außen zu geben, dessen Familie zu benachrichtigen oder Joe den Gnadentod zu gewähren.
Literatur:
Tony Howard, John Stokes (Eds.). Acts of War. The Representation of Military Conflict on the British Stage and Television since 1945. Hants: Scolar, 1996 (Warwick Studies in the European Humanities).
Bemerkungen:
"Es ist der entsetzlichste, erschütterndste Protest, der jemals gegen den Krieg erhoben wurde", schrieb Walter Widmer nach der Lektüre von Dalton Trumbos Roman, der 1939, drei Tage vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, erschienen war. Schnell entwickelte sich das Buch in den USA zum Bestseller, wurde nach dem Kriegseintritt der USA freilich aus den Regalen der Buchhandlungen entfernt. Es galt als unverfilmbar. Sogar Luis Bunuel ließ 1964 von diesem Vorhaben ab.

Trumbo selbst hatte zunächst keine Möglichkeit, den Film zu realisieren. Er war in den fünfziger Jahren vom Ausschuss gegen unamerikanische Umtriebe, dem McCarthy Committee, auf die schwarze Liste gesetzt worden. Erst dreißig Jahre nach Erscheinen des Buchs mitten im Vietnamkrieg, wagte ein Studio, seine Geschichte zu produzieren. Trumbo war zu diesem Zeitpunkt bereits 65 Jahre alt.

Der Film gewann 1971 den Grossen Sonderpreis der Jury beim Filmfestival in Cannes und den Preis der Internationalen Filmkritik.

Ähnlich wie die fast zeitgleich entstandenen Antikriegsklassiker "M.A.S.H." von Robert Altman und "Catch 22" von Mike Nichols veranschaulicht Regisseur Dalton Trumbo in der Verfilmung seines eigenen Romans Grauen und Sinnlosigkeit des Krieges. Dabei verzichtet er jedoch weitestgehend auf die satirischen, mitunter sarkastischen Elemente, die den beiden erstgenannten Filmen eigen sind. Der Film erzählt, was in Johnny vorgeht, wie er - bei klarem Verstand, nur äußerlich entstellt - zu sich selbst findet und versucht, der Umwelt zum Mahnmal und Symbol für den Wahnwitz des Krieges zu werden.

Bei aller Härte und Brutalität ist "Johnny zieht in den Krieg" ein ungeheuer fesselnder, menschlich tief bewegender Film, dessen Düsternis und Ausweglosigkeit den Betrachter derart in den Bann ziehen, dass das Ausmaß des realen Kriegsgeschehens und seiner entsetzlichen Folgen neben dem eigentlichen Filmgeschehen realisiert wird. Angesichts der weltweit zahllosen Kriegsherde und der neuerlichen "Salonfähigkeit" von Kriegspolitik ist der Film immer eine aktuelle und notwendige Entdeckung, die Betroffenheit und Sprachlosigkeit auslöst.
Erhältlich:
VHS, DVD