Apokalypse Vietnam - Der Krieg in Indochina

Originaltitel:
Apokalypse Vietnam - Der Krieg in Indochina
Weitere Titel:
(Apocalyse Vietnam - The War in Indochina)
Produktionsland / Jahr:
Originallänge:
180 min. , Farbe
Uraufführung:
30 April 2000
Literarische Vorlage:
Schnitt:
Musik:
Darsteller (Rolle):
Weitere Personen:
Zusammenfassung:
Mehrteilige Fernsehdokumentation zum Vietnamkrieg:

1. Teil: Schlachtfeld im Kalten Krieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg versucht Frankreich, als Kolonialmacht wieder Fuß zu fassen, tritt aber auf heftigen Widerstand der Viet Minh, der Unabhängigkeitsbewegung unter Ho Chi Minh. Nach der Niederlage von Dien Bien Phu tritt Frankreich als Kolonialmacht ab, und auf der Genfer Konferenz 1954 wird das Land faktisch geteilt, eine entmilitarisierte Zone soll den kommunistischen Norden vom westlich orientierten Süden trennen. Es entstehen zwei Staaten, Vietnam wird zum Schlachtfeld im Kalten Krieg. China und die Sowjetunion unterstützen den Norden, die USA engagieren sich immer stärker zunächst mit Militärberatern im Süden. Eine fatale Entwicklung. Es gelingt nicht, die Regierung in Saigon zu stabilisieren, zumal die kommunistische Guerilla hier immer stärker operiert. 1963 wird der südvietnamesische Präsident Diem durch das Militär gestürzt. Wenige Wochen später wird John F. Kennedy ermordet. Die Folge: Die Karten in Vietnam werden neu gemischt.

2. Teil: Der amerikanische Kreuzzug
Vietnam 1964: die politische Lage im Land ist unübersichtlich. Zwei bis heute ungeklärte Vorfälle - Angriffe der Nord-Vietnamesen auf zwei US-Zerstörer-Schiffe am 2. bzw. 4. August 1964 - dienen US-Präsident Johnson als Vorwand für ein direktes militärisches Eingreifen in Vietnam. Die Ereignisse überstürzen sich: im März 1965 gehen die ersten US-Einheiten in Da Nang an Land; Ende 1966 sind bereits 200.000 GIs in Vietnam eingesetzt. In amerikanischen Wohnzimmern beginnt der „erste Fernsehkrieg“ mit erschütternden Bildern der Zerstörung. Agent Orange und Napalm sind die Schockwörter jener Zeit. In den USA formiert sich der Widerstand gegen den „schmutzigen Krieg“. Unvergessen das Massaker, das US-Soldaten in My Lai begehen. My Lai gilt heute als Anfang vom Ende des „amerikanischen Kreuzzuges“ in Vietnam.

3. Teil: Der Krieg des Vietcong
Vietnam 1968: der Krieg in dem geteilten Land eskaliert. Im Januar 1968 provozieren die Nord-Vietnamesen am amerikanischen Stützpunkt Khe Sanh blutige Auseinandersetzungen. Die Schlacht von Khe Sanh ist aber nur ein Ablenkungsmanöver. In Wahrheit plant der Vietcong den entscheidenden Schlag gegen Süd-Vietnam. Als wichtigste Nachschublinie für die neue Offensive dient der „Ho Chi Minh Pfad“, ein unübersichtliches System von Transportwegen aus dem kommunistischen Norden in den verfeindeten Süden. Über den „Ho Chi Minh Pfad“ läuft 1968 die Versorgung für die „Tet-Offensive“, in deren Verlauf es den Nord-Vietnamesen gelingt, die alte Kaiserstadt Hue kurzzeitig zu erobern. Militärisch wird die Tet-Offensive letztlich zur Niederlage. Doch propagandistisch entwickelt sich „Tet“ zum Wendepunkt des Krieges: die US-Regierung erkennt, der Krieg ist nicht mehr zu gewinnen. Der Rückzug der Amerikaner aus Vietnam kündigt sich an.

4. Teil: Der lange Weg zum Frieden
Vietnam Anfang der 70er Jahre: der mörderische Krieg findet kein Ende, in Paris kommen die Friedensverhandlungen wieder ins Stocken. 1972 befiehlt US-Präsident Nixon die schwersten Luftschläge des Krieges. In Hanoi sterben über 1.300 Menschen. Nach 11 Tagen bricht Nixon den Luftkrieg wieder ab. Die neue Strategie der Amerikaner: „Vietnamisierung des Krieges“, d.h. Abzug der US-Truppen und Übergabe der militärischen Einrichtungen an die Süd-Vietnamesen. Der Krieg geht trotzdem unvermittelt weiter. Erst am 27. Januar 1973 kommt es in Paris zur Unterzeichnung eines Friedensabkommmens für Vietnam. 1975 führt die „Ho Chi Minh Offensive“ zum endgültigen Zusammenbruch der südvietnamesischen Armee. Im April 1975 schaut die ganze Welt gebannt nach Saigon: Hanois Truppen rücken in die am Boden liegende Stadt ein, in der sich „apokalyptische Szenen“ abspielen. Den vor aller Welt gedemütigten Amerikanern gelingt erst in letzter Minute der Rückzug. Im Mai 1975 ist Vietnam wieder vereint. Der Weg bis zu einem echten Frieden in der Region ist allerdings noch lang.

5. Teil: Die Narben des Krieges
Vietnam heute: der Krieg ist schon lange vorbei. Doch die Narben, die er hinterlassen hat, sind noch überall zu sehen: Menschen, die als Kinder durch den Einsatz von Agent Orange entstellt wurden. Kriegsveteranen, die durch Minen beide Beine verloren haben. Andererseits herrscht unübersehbar Wandel in Vietnam. Das Land hat sich auf den Weg „in den Westen“ begeben, es will endlich wirtschaftlich vorankommen. Auch in den USA ist die „Apokalypse Vietnam“ unvergessen: 300.000 Exil-Vietnamesen leben allein in Sasnta Ana, einem Stadteil von Los Angeles. Als ein Kaufmann die Fahne des kommunistischen Vietnam und ein Porträt Ho Chi Minhs in seinem Lebensmittelladen aufhängt, wird er von seinen Landsleuten, die vor mehr als 25 Jahren aus Vietnam geflohen sind, bedroht. Die Nationalgarde muss eingreifen. Amerikanischer Schutz für einen Verehrer Ho Chi Minhs, für einen Anhänger des ehemaligen Erzfeindes. Ehemalige GI’s leiden noch heute an den psychischen Folgen der Apokalypse Vietnam, wie Mike Lake, ein Veteran aus Muscatine: „Von 20 Nächten schlafe ich vielleicht eine durch, ich habe Alpträume, zermartere mir immer wieder den Kopf wegen bestimmter Situationen. Mein Zustand hängt einfach damit zusammen, dass ich zu viele Menschen getötet habe. Und ich hab‘ sie gesehen.“ Die Narben in Vietnam: Das sind durch Agent Orange behindert geborene Kinder, das sind Veteranen, denen Minen beide Beine weggerissen haben. In scharfem Kontrast dazu steht die Diskothek „Apokalypse Vietnam“, in der junge Leute ungeniert zu amerikanischer Musik tanzen, präsentiert von einem Discjockey aus der Kanzel eines amerikanischen Hubschraubers. Vietnam ist auf dem Weg in den Westen und Verzeihen wird zur Voraussetzung für amerikanische Investitionen. Doch vergessen können die Menschen ihn nicht, diesen verdammten Krieg, weder in den USA noch in Vietnam.
Der fünfte und letzte Teil der Dokumentation verbindet das Gestern mit dem Heute. Die Schrecken des Krieges dauern an: in der Erinnerung der Überlebenden, als kollektives Trauma der Gesellschaft.
(Quelle: www.phoenix.de)
Literatur:
Wolfgang Schneider. Apokalypse Vietnam. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt-Taschenbuch-Verlag. 2001. 224 p.

James H. Willbanks (Hrsg.): The Vietnam War. Burlington, Vt.: Ashgate, 2006. ISBN: 0-7546-2559-1

Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs: Die Tragödie in Asien und das Ende des amerikanischen Traums. München: Beck, 1999. ISBN: 3-406-42078-8
Bemerkungen:
Erstmals wurden systematisch die Filmarchive in Hanoi und Saigon ausgewertet. Im Westen weitgehend unbekanntes Material, gedreht von vietnamesischen Frontkameraleuten, floss in die Dokumentation ein. So ergeben sich völlig neue Einblicke in die Geschichte eines Krieges, dessen Bilder bislang vor allem westliche Medien lieferten.
Erhältlich: