Le Pantalon

Originaltitel:
Le Pantalon
Weitere Titel:
(Fürs Vaterland erschossen)
Produktionsland / Jahr:
Originallänge:
101 min. , Farbe
Uraufführung:
8 December 1997
Literarische Vorlage:
Alain Scoff. Le Pantalon. Paris: J.C. Lattès, 1982.
Kamera:
Schnitt:
Weitere Personen:
Zusammenfassung:
Februar 1915, nahe Besançon: die französische Armee rekrutiert in einem kleinen Dorf junge Männer für den Krieg, unter ihnen auch den Dorfschmied Lucien Bersot. Es bleibt ihm kaum die Zeit, sich von seiner Frau und seiner kleinen Tochter zu verabschieden, bevor er an die Front geschickt wird.
Bei der Einkleidung erhält er anstelle der berühmten roten Uniformhose der französischen Armee eine beige Hose aus Tuch, da keine andere mehr zur Verfügung steht. Zusammen mit seinen Kameraden lernt Lucien das Grauen des Grabenkrieges kennen. Der General hat schlossen, dass das Regiment einen Ablenkungsangriff unternehmen soll, um die Aufmerksamkeit des Feindes von der Stadt Soisson in den Ardennen abzuwenden. Als dieses Ziel nicht erreicht wird, entlässt Colonel Auroux den diensthabenden Leutnant und setzt an dessen Stelle den ehrgeizigen Leutnant André ein, „um im 60. Regiment die nötige Disziplin wiederherzustellen“.
Lucien Bersot trägt immer noch seine beige Tuchhose und bittet wegen der Kälte um eine richtige Hose. Leutnant André, der für seine Unnachgiebigkeit bekannt ist, verlangt vom einfachen Soldaten Bersot die schmutzige und blutverschmierte Hose eines gefallenen Kameraden zu tragen. Als er sich dem widersetzt, straft der Leutnant ihn mit acht Tagen Gefängnis und rapportiert das Geschehene seinem Vorgesetzten Auroux. Plötzlich steht Lucien vor Gericht wegen „Gehorsamsverweigerung angesichts des Feindes“ – ein sicheres Todesurteil. Obwohl er längst zum Spielball der Strategie von Colonel Auroux geworden ist, kann Bersot immer noch nicht glauben, dass er erschossen werden soll.
Literatur:
Bemerkungen:
Dies ist der erste französische Film, der sich mit ungerechtfertigten Exekutionsurteilen wegen angeblicher Befehlsverweigerung von Militärgerichten auseinandersetzt; nachdem sich zuvor schon Stanley Kubrick in „Paths of Glory“ (USA, 1957, in Frankreich 20 Jahre lang verboten), Joseph Losey in „King and Country“ (GB, 1964) und Francesco Rosi in „Uomini contro“ (I, 1970) des Themas angenommen hatten.

Regisseur Yves Boisset widmet sich in „Fürs Vaterland erschossen“ einem Thema, das ihn schon in früheren Filmen beschäftigte. Ein Individuum wird von einer Institution zermalmt, der es überhaupt nicht gewachsen ist. Der Regisseur sagt über seinen Protagonisten: „Bersot handelt weder aus politischen Motiven noch ist er ein Aufständischer... Er gehorcht jedem Befehl und ist bereit, sich mutig, ja fast heldenhaft ins Gemetzel zu stürzen. Aber er wehrt sich als Individuum gegen Dummheit und Ungerechtigkeit“. Yves Boisset ist bekannt als Provokateur und für seine Vorliebe für Tabuthemen. So ist „Fürs Vaterland erschossen“ der erste französische Film, der sich den Soldaten widmet, die während des Ersten Weltkrieges erschossen wurden, um ein Exempel zu statuieren. Die Dekrete vom 2. August und 6. September 1914 setzten zusätzlich zum Kriegsgericht ein „Spezialgericht“ ein, das Urteile für Verbrechen gegen „Ordnung und Frieden“ fällte. Gegen diese Urteile konnte nicht interveniert werden. Durch Erschießen ein Exempel zu statuieren, war eine verbreitete Methode, um die „Disziplin der Soldaten zu stärken“. Der Fall Bersot war also kein Einzelfall. Bersot wurde 1922 vom Obersten Gerichtshof rehabilitiert. Sein Name wurde auf dem Kriegsdenkmal in seinem Geburtsdorf Saint Severin nachträglich hinzugefügt. Sein Peiniger Colonel Auroux wurde, nachdem er zum General befördert worden war, zum Kabinettschef des Kriegsministers André Maignot ernannt, der ihn zum Kommandeur der Ehrenlegion erhob.

Der Film wurde aus Kostengründen in Belgien gedreht. Der Regisseur versuchte eine möglichst authentische Umgebung zu schaffen. In einem Steinbruch wurde ein ganzes Netz von Schützengräben angelegt. Die Filmkulissen wurden nach den Dreharbeiten zu Demonstrationszwecken für Schulklassen vor Ort belassen.
Erhältlich: