Westfront 1918

Originaltitel:
Westfront 1918
Weitere Titel:
(Vier von der Infanterie), Comrades of 1918
Produktionsland / Jahr:
Originallänge:
90 min. , schwarz / weiss
Uraufführung:
23 May 1930, Berlin, Capitol
Literarische Vorlage:
Ernst Johannsen. Vier von der Infanterie. Hamburg: Fackelreiter, 1929.
Produzent:
Schnitt:
Musik:
Weitere Personen:
Zusammenfassung:
Hinter der deutschen Front sind drei deutsche Soldaten in einem französischen Haus einquartiert. Sie flirten mit der jungen Französin Yvette, die das Haus mit ihrem Großvater bewohnt. Der joviale "Bayer" und Karl spielen Karten. Die Ruhe wird jäh durch einen Granatenangriff unterbrochen, während dessen der Student und Yvette ihre gegenseitige Zuneigung entdecken.
Der Leutnant meldet, dass die eigene Artillerie irrtümlicherweise ihre Stellung beschießt. Bei einem Treffer werden Karl und der Bayer verschüttet und in einer dramatischen Aktion von anderen Soldaten gerettet. Um die Artillerie von ihrer Stellung wegzulenken, schickt der Leutnant den Student als Melder nach hinten. Der Student nutzt die Gelegenheit, um sich auf dem Rückweg nochmals mit Yvette zu treffen. Wenig später trifft er Karl, der zum ersten Mal nach achtzehn Monaten an der Front zu seiner Frau nach Hause fahren darf. Auf dem Rand eines Bombentrichters in mitten einer trostlosen, aufgewühlten Landschaft sitzen die beiden Soldaten und erzählen sich von ihrem Leben, der Student gesteht Karl, dass er sich in Yvette verliebt hat.
Zu Hause trifft Karl zufällig einen Geschäftsmann, der ihn fragt, warum sie denn nicht endlich nach Paris einmarschieren. Karls Mutter steht währenddessen in einer langen Schlange von einer Fleischerei an. Ein Nachbar hat Karl kommen sehen und sagt ihr, dass ihr Sohn eben gekommen sei. Doch sie kann ihren Platz in der Warteschlange nicht aufgeben. Als sie endlich an der Reihe ist, ist der Laden ausverkauft.
Als Karl seine Wohnung betritt, findet er seine Frau im Bett mit dem Sohn des Fleischers, der sich ihre Zuneigung mit Lebensmitteln erkauft hat. Karl rennt zurück in die Küche, holt sein Gewehr, geht wieder ins Schlafzimmer und zwingt seine Frau und ihren Liebhaber sich zu küssen, während er auf die beiden anlegt. Dann aber macht seine Wut Resignation Platz. Er wirft seine Waffe in die Ecke und sieht dabei den Einberufungsbescheid des Jungen auf dem Tisch liegen. "Du auch?", fragt er den Jungen. Der nickt und verschwindet. Karls Frau versucht ihm zu erklären, dass der Hunger sie gezwungen habe und wiederholt unentwegt "Ich kann doch nichts dafür!". Karl macht seiner Frau keine weiteren Vorwürfe, doch weigert er sich für den Rest seines Aufenthalts irgendwelche Zeichen von Zuneigung zu zeigen. Er verläßt sie, ohne sich zu verabschieden, ohne ein Zeichen der Versöhnung. An der Front wird der Student in einem Kampf Mann gegen Mann getötet. Yvettes Haus wird von Granaten zerstört, doch weigert sie sich die Gegend zu verlassen, weil sie fürchtet der Student könnte sie dann nicht wiederfinden, nicht ahnend, dass dieser bereits tot ist.
Zurück an der Front meldet sich Karl freiwillig für eine gefährliche Mission. Trotz der Gefahr begleitet ihn der Bayer. Sie geraten in eine heftige Schlacht mit Artilleriebeschuß, Infanterieattacken und schließlich einem Panzerangriff. Im Laufe des Kampfes wird der Bayer von einer Handgranate getötet und auch Karl wird tötlich getroffen.
In der wahrscheinlich bekanntesten Szene erhebt sich der Leutnant, irre geworden an dem sinnlosen Schlachten, von einem Haufen toter Körper und grüßt seine unsichtbaren Vorgesetzten.
Literatur:
M. Geisler. "The battleground of modernity. Westfront 1918 (1930)". In: Eric Rentschler. The films of G.W. Pabst. An extraterrestial cinema. New Brunswick: Rutgers Univ. Press, 1990, 91-102.

B.C.M. Kester. "Het (on)´gewapende oog. Realisme en modernisme in `Der Weltkrieg´ en `Westfront 1918`". In: Tijdschrift voor Mediageschiedenis 0 (1998), 5-25.
Bemerkungen:
Im April 1933 wurde der Film von der Oberzensurstelle mit der Begründung verboten, er "gefährde lebenswichtige Interessen des Staates", da der Krieg lediglich als ein "Unglück" dargestellt werde, und an keiner Stelle die Rede davon sei, dass "der Krieg der Verteidigung der Heimat gegen eine Welt von Feinden geführt wurde und geführt werden musste" (Originaldokument unter: http://www.deutsches-filminstitut.de/zengut/df2tb733z.pdf). Erst 1957 wurde das Verbot wieder aufgehoben, allerdings für eine um zehn Minute gekürzte Version.

"Westfront" wurde auch in Frankreich mit Erfolg gezeigt, sogar in französicher Sprache – bemerkenswert, wenn man bedenkt wie neu Tonfilm noch war. Umso erstaunlicher, dass es hingegen keine englische Fassung für den weit größeren amerikanischen Markt gab.
Erhältlich:
VHS