Au revoir là-haut

Originaltitel:
Au revoir là-haut
Produktionsland / Jahr:
Originallänge:
117 min. , Farbe
Uraufführung:
22 August 2017
Genre:
Literarische Vorlage:
Pierre Lemaitre. Au revoir là-haut. Paris: Éditions Alban Michel, 2013.
Weitere Personen:
Zusammenfassung:
Die Rahmenhandlung des Films bildet eine Befragung des ehemaligen französischen Frontsoldaten Albert Maillard durch die Kolonialpolizei in Marokko im November 1920. Die zentrale Frage bei dieser lautet dabei, wie er Edouard Péricourt kennengelernt hat.
In der Folge erzählt Albert die Geschichte der beiden ehemaligen Kriegskameraden, welche am 9. November 1918 ihren Anfang nahm. Beide befinden sich in einer Einheit, die vom egomanen und sadistischen Leutnant Henri d'Aulnay Pradelle angeführt wird. Als dieser einen Befehl zum Waffenstillstand erhält, ignoriert er diesen und schickt stattdessen zwei Soldaten – einen sehr jungen und einen sehr alten – bei hellstem Tageslicht auf Patrouille ins Feld. Beide werden daraufhin scheinbar von deutschen Truppen erschossen, woraufhin ein letztes Gefecht zwischen beiden Stellungen entbrennt. Albert erkennt dabei jedoch, dass die beiden Soldaten von Pradelle hinterrücks erschossen wurden, um eine weitere Kampfhandlung heraufzubeschwören. Pradelle versucht ihn daraufhin zu töten, doch Albert wird stattdessen in einem Granattrichter verschüttet. Nachdem ihm zunächst der Kopf eines toten Pferdes, in dem Atemluft eingeschlossen ist, vorübergehend das Leben rettet, ist es schließlich Edouard, der ihn ausgräbt. Doch in der nächsten Sekunde wird dieser bei einer Explosion schwer im Gesicht verwundet.
Im Lazarett entdeckt Edouard, dass ihm infolge seiner Verwundung der Unterkiefer fehlt, er dementsprechend nur noch röchelnde Laute von sich geben kann, und entwickelt unter starken Schmerzen eine Morphium-Abhängigkeit. Das Opiat wird ihm dabei von Albert beschafft, der die gesamte Zeit über nicht von der Seite seines Retters weicht und dabei auch dessen Zeichnungen entdeckt und sich von diesen beeindruckt zeigt. Da Edouard nicht nach Hause zu seinem zwar sehr wohlhabenden und einflussreichen, allerdings emotional distanzierten und seine künstlerische Arbeit geringschätzenden Vater möchte, fleht er Albert darum an, seine Existenz gegen die eines gefallenen Soldaten auszutauschen und ihm so ein Untertauchen zu ermöglichen. Das Vorhaben gelingt und aus Edouard Péricourt wird kurzerhand Eugène Larivière.
Im November 1919 leben Albert und Edouard zusammen in ärmlichen Verhältnissen in einer Wohnung in Paris. Albert arbeitet in Gelegenheitsjobs, um die beiden zu finanzieren, und muss Édouard weiterhin mit Morphium versorgen, welches er von anderen Kriegsinvaliden stiehlt. Währenddessen macht Pradelle bereits Geschäfte mit Kriegsgräbern. Dabei werden von einer Prüfkommission jedoch auch erste Gesetzesverstöße festgestellt, deren Geheimhaltung Pradelle noch erpressen kann. Edouard seinerseits freundet sich mit der Adoptivtochter ihrer Vermieterin an, der Kriegswaisen Louise, und liest in einer Zeitung bald darauf auch erstmals von der großen Nachfrage nach Kriegerdenkmälern im Nachkriegsfrankreich. Daraufhin fasst der begabte Künstler den Plan, solche Denkmale zu entwerfen und auch zu verkaufen, allerdings nie anzufertigen geschweige denn auszuliefern. Mit dem Geld würden Louise, Albert und er selbst fliehen. Albert weigert sich zuerst, an dem kriminellen Unterfangen teilzuhaben, stimmt schließlich auch infolge weiterer persönlicher Rückschläge jedoch doch noch zu. Ihm fällt nun die Aufgabe zu, Geld für die Herstellung der Werbekataloge zu beschaffen.
Edouards Vater trauert währenddessen um seinen scheinbar gefallenen Sohn, woraufhin dessen Schwester Madeleine ihm Edouards Zeichnungen aus dem Krieg zeigt. Diese hatte Albert ihr zusammen mit der Nachricht von Edouards Tod übersandt. Die Péricourts beschließen in der Folge, den Frontkameraden Edouards zum Dîner einzuladen. Bei diesem Abendessen erfährt Albert, dass Edouards geliebte Schwester inzwischen mit Pradelle verheiratet ist, lernt das Dienstmädchen Pauline kennen und bekommt von Edouards Vater aufgrund seiner offensichtlichen, kriegsbedingten Armut eine Stelle als Buchhalter – seinem ursprünglichen Beruf – in dessen Bankhaus angeboten. Außerdem beschließt Edouards Vater kurz darauf, für einen Wettbewerb zum Entwurf und Bau eines Kriegerdenkmals für alle gefallenen Soldaten des Arrondissements – und damit seinen Sohn – das extrem hohe Preisgeld von 150 000 Francs auszusetzen.
In seiner neuen Stelle beginnt Albert damit, Beträge falsch einzuzahlen und so das benötigte Geld zur Produktion der Kataloge zu unterschlagen. Kurz vor dem 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, gehen schließlich infolge eines patriotischen Rausches unzählige Bestellungen ein. Die geforderten Vorabzahlungen werden auf das Bankkonto der Firma "Souvenir Patriotique" des nichtexistenten Künstlers Jules d'Epremont eingezahlt, welches sich Albert schließlich auszahlen lässt um während der Feiern zum Nationalfeiertag mit Edouard und Louise wie geplant in die afrikanischen Kolonien zu fliehen.
Als Edouard jedoch in Alberts Jackett eine Karte findet, welche die Hochzeit seiner Schwester mit Pradelle ankündigt, beschließt er, sich zuerst an diesem zu rächen. Er spielt daraufhin einem Beamten des Ministère des pensions einen Brief zu, in dem Pradelles Unternehmen bezichtigt wird, für die gerüchteweise im Umlauf befindlichen Berichte über den Pfusch mit den Leichen von Kriegsgefallenen verantwortlich zu sein. Tatsächlich entdeckt der Beamte Joseph Merlin daraufhin, dass Pradelle Körper zerstückeln ließ, um sie zur Kostenersparnis in zu kurzen Särgen begraben zu können. Den folgenden Bestechungsversuch Pradelles zeigt er gemeinsam mit den eigentlichen Vergehen beim Ministerium an, woraufhin Pradelle mit Bekanntwerden des Verbrechens die Todesstrafe droht.
Als Edouards Vater auf der Einreichung Edouards alias Jules d'Epremont zum Denkmal-Wettbewerb die stilisierte Unterschrift seines Sohnes entdeckt, möchte er den Künstler kennenlernen. In diesem Zuge muss er jedoch erfahren, dass Jules d'Epremont gar nicht existiert. Daraufhin sucht er seinen, ihm eigentlich verhassten, Schwiegersohn Pradelle auf, damit dieser die Betrüger auffinden möge. Pradelle steht inzwischen nicht nur aufgrund seiner Verbrechen vor dem Abgrund, sondern wurde in der Zwischenzeit auch von Madeleine verlassen, nachdem er sie mehrmals betrogen und seinen Zweck, ihr ein Kind zu schenken, erfüllt hat. Er kommt dem Auftrag Péricourts also nach, da dieser ihm im Gegenzug Straffreiheit durch seinen Einfluss auf den verantwortlichen Minister garantiert.
Edouard ist inzwischen mit Louise ins Hôtel Lutetia gezogen, wo sie nun riesige Partys feiern und seine Morphiumsucht sich weiter verschlimmert. Pradelle erfährt diesen Aufenthaltsort des ihm nach wie vor als Jules d'Epremont bekannten Betrügers und teilt diesen Edouards Vater mit, nachdem ihm dieser wie abgemacht Schuldfreiheit erwirkt. Das Dienstmädchen Pauline, mit der Albert inzwischen eine Beziehung pflegt und die er heiraten möchte, erfährt etwa zeitgleich durch die Zeitung von den Verbrechen mit den gefälschten Kriegerdenkmälern und von Albert anschließend auch davon, dass er mit in diese involviert ist. Sie verlässt ihn daraufhin, wobei Albert jedoch noch beobachten kann, wie Pauline von Pradelle – dem ursprünglichen Verantwortlichen für Edouards und sein Schicksal – belästigt wird. Daraufhin folgt er Pradelle und bedroht ihn auf einer von diesem beaufsichtigten Baustelle mit einer Pistole. Als der immer weiter zurückweichende Pradelle ihn durch die Aussage, der Krieg sei beendet, beschwichtigen möchte, erwidert Albert, dass er das nicht mehr wisse. Pradelle stürzt daraufhin rückwärts in eine Baugrube und Sand stürzt auf ihn ein. Albert versucht ihn noch zu retten, doch Pradelle wird gemeinsam mit einer Pferdekopf-Maske, die Edouard für Albert in Erinnerung an das Erlebnis angefertigt hat und die dieser zum Zeitpunkt bei sich trug, begraben.
Während Albert nun am Gare de Lyon auf Edouard und Louise wartet, damit sie gemeinsam fliehen können, wird dieser unter starkem Morphium-Einfluss auf dem Balkon seiner Suite, im höchsten Stock des Hôtel Lutetia, von seinem Vater aufgesucht. Dieser erkennt ihn zunächst nicht, da Edouard eine seiner vielen, von ihm selbst kunstfertig angefertigten Masken zur Verschleierung seiner Kriegsversehrung trägt. Unabhängig davon interessiert sein Vater sich nicht für den Betrug und das damit verlorene Geld, sondern weiterhin nur für die Unterschrift auf dem Denkmalentwurf und die mit dieser einhergehende Frage, ob der Betrüger seinen Sohn gekannt haben könnte. Kurz darauf erkennt er Edouard auch an seinen Augen, woraufhin er ihm in der dritten Person sagt, dass er stolz wäre, ihn zum Sohn gehabt zu haben. Die beiden umarmen sich und Édouard entgegnet ihm "Merci", springt im nächsten Moment jedoch vom Balkon und nimmt sich so das Leben.
In der Rahmenhandlung ist das Verhör beendet, als Albert an den verstorbenen Edouard die Worte "Au revoir là-haut" – Wir sehen uns dort oben – richtet. Der verhörende Offizier schickt daraufhin seine anwesenden Unterstellten aus dem Raum und erlaubt Albert die Flucht. Er ist zufällig der Vater des jungen, am 9. November 1918 von Pradelle erschossenen Soldaten. Vor dem Polizeigebäude warten Pauline, die sich offenbar doch dazu entschieden hat Albert zu begleiten, und Louise auf ihn.
Literatur:
Bemerkungen:
"Au revoir là-haut" wurde bei der 43. César-Verleihung am 2. März 2018 für 13 Preise nominiert, von denen er 5 auch gewann. Darunter fielen Auszeichnungen in den Kategorien "Bestes adaptiertes Drehbuch", "Beste Kamera", "Bestes Szenenbild", "Beste Kostüme" sowie "Beste Regie".
Auch die Literaturvorlage, Pierre Lemaitres gleichnamiger Roman "Au revoir là-haut" von 2013, erhielt mit dem Prix Goncourt eine renommierte Auszeichnung.
Erhältlich:
DVD (EAN 3607483240199), Blu-ray Disc (3607483240205)