Días de Santiago

Originaltitel:
Días de Santiago
Weitere Titel:
Dias de Santiago
Produktionsland / Jahr:
Originallänge:
83 min. , Farbe
Uraufführung:
29 January 2004, International Film Festival Rotterdam, NL
Literarische Vorlage:
Kamera:
Schnitt:
Musik:
Weitere Personen:
Zusammenfassung:
Der 23jährige Santiago Román kehrt nach Lima zurück, nachdem er drei Jahre als Soldat für sein Land gedient hat. Er war an der Grenze zu Ecuador im Einsatz und in der Bekämpfung von Terror und Drogenhandel. Jetzt möchte er ein normales Leben beginnen, arbeiten und eine Familie gründen. Seine alten Kameraden hingegen versuchen ihn zu überzeugen, gemeinsam Banken auszurauben, schließlich gibt es kaum Arbeit in Peru und keine Unterstützung seitens der Regierung. Seine Frau will nichts mehr von ihm wissen, seine Familie hält Abstand. Gerade als er vorsichtig eine neue Beziehung beginnt, geraten die Dinge außer Kontrolle. Die Freundin seines gewalttätigen Bruders macht sich an ihn heran und bittet ihn, ihren Geliebten zu töten. Trotz seiner besten Absichten scheint Santiago wieder in einen Strudel der Gewalt zu geraten.
Literatur:
Bemerkungen:
Der Regisseur Josue Mendez über „Dias de Santiago“:
„Es ist die Geschichte eines Mannes, Santiago, der nach Ordnung und Balance in einer chaotischen Welt sucht. Er will sich an das zivile Leben anpassen und strebt danach die Sachen ein bisschen besser zu machen als die anderen, doch die Erinnerung an seine Kriegserlebnisse lassen ihn keinen Frieden finden. Er hat eine sehr militärische Einstellung, denkt, dass alles möglich ist, wenn man dafür kämpft und seine Vorstellung von Ordnung durchsetzt. Doch die Gesellschaft und die Menschen um ihn herum schreiten in ihrem eigenen Rhythmus voran, sie haben nicht auf ihn gewartet und sogar fast vergessen. Ich wollte, dass der Zuschauer dem Geisteszustand dieser Person so nah wie möglich ist, seiner Paranoia, seiner Instabilität und seiner sozialen Zerbrechlichkeit“.

Die Idee zum Film hatte Mendez gegen Ende 1998, als der Friedensvertrag zwischen Ecuador und Peru unterzeichnet wurde und er eine Dokumentation über die Veteranen dieser Krieges im Fernsehen sah. Er war beeindruckt von deren Jugend und den traumatischen Erfahrungen, die sie während ihres Kampfes gegen Ecuador und den „Leuchtenden Pfad“ gemacht hatten. Er habe sich den Männern sehr nahe gefühlt, denn er war im selben Alter wie sie und fühlte sich, obwohl er nicht gekämpft hatte, genauso verloren und ziellos in Lima. Er hatte gerade sein Studium abgeschlossen und das Gefühl, die Kriegsveteranen könnten als eine Metapher dienen für die chaotische und dekadente Stadt, in der er lebte. Er sprach mit Veteranen und erinnerte an einen Freund der Familie, der auch an der Grenze gekämpft hatte. Bei dieser Gelegenheit traf er Santiago, den Soldaten, der ihn zur Hauptrolle inspirierte: jemand, der im Krieg bewundert und respektiert wurde und nach seiner Rückkehr ins zivile Leben ein Niemand ist.

Der junge peruanische Filmemacher Josué Méndez, der bereits mit seinen Kurzfilmen aufgefallen war, legt hier ein inhaltlich überzeugendes wie formal bestechendes Erstlingswerk vor in dem er aufzeigt, dass das Drama eines Armeedienstes oft erst dann richtig beginnt, wenn der Dienst vorüber ist. Zwischen schwarzweissen und farbigen Szenen wechselnd betont Méndez die Lebensnähe seines Filmes, der auch zum Überzeugendsten gehört, was das peruanische Kino hervorgebracht hat. Es ist bei weitem nicht nur ein Film über den heimkehrenden Soldaten, Méndez zeigt uns auch ein ungeschminktes Bild vom Leben in Perus Hauptstadt Lima.
Walter Ruggle (www.trigon.de)
Erhältlich: