Am 1. Oktober 1946 endete in Nürnberg eines der spektakulärsten Gerichtsverfahren der Geschichte. Im Prozess der Alliierten gab es elf Todesurteile, sieben Zeitstrafen und drei Freisprüche.
Hermann Göring war der wichtigste überlebende Repräsentant des Dritten Reiches, nachdem Hitler, Goebbels und Himmler Selbstmord begangen hatten. Göring war populär und gefürchtet und galt vor dem Untergang als Nachfolger des "Führers".
Nach Kriegsende präsentierte sich Göring den Kameras mit den Aussagen, er hätte ohnehin Auseinandersetzungen mit Hitler gehabt und hätte er gewusst, was in den Konzentrationslagern vor sich ging, hätte er längst angemessen reagiert und protestiert. Er war der Überzeugung, dass die Sieger keine Chance gehabt hätten, Deutschland ohne ihn zu regieren.
In Washington hatte man jedoch schon längst geplant ein internationales Militärtribunal zu organisieren, um die Naziführer mit rechtsstaatlichen Mitteln als Staatsverbrecher zu verurteilen.
Dies war keine leichte Aufgabe, wollte man doch ein "high grade lynching" vermeiden und sich an geltendem Recht orientieren. Schließlich wurde das Naziregime als eine lang geplante Verschwörung beurteilt, mit dem Ziel, andere Länder zu überfallen, auszuplündern und ihre Bewohner zu versklaven und zu töten. Die Mitarbeiter des amerikanischen Chefanklägers Robert H. Jackson begannen die Geschichte des Nationalsozialismus zu erforschen, unter anderem die Lebensgeschichte des wichtigsten Angeklagten: Herrmann Göring.
Herrmann Wilhelm Göring wurde 1893 als Sohn einer wohlhabenden Familie geboren und gelangte im Ersten Weltkrieg im Geschwader des "Roten Barons", Manfred von Richthofen, früh zu Ruhm.
1918, nach der Niederlage, wurde Göring Postflieger in Schweden, wo er auch seine erste Frau Carin kennenlernte. Zu Beginn der 20er Jahre kehrte Göring nach Deutschland zurück und wurde zu einem der frühen Anhänger Adolf Hitlers. Nachdem er bei dem Putschversuch vom 9. November 1923 schwer verwundet worden war, floh er nach Österreich. Wegen seiner Verwundung wurde ihm Morphium gespritzt, das ihn bald abhängig machte. Er ging wieder nach Schweden und wurde dort in einer Nervenklinik stationär behandelt.
1927 kam Göring zurück nach Deutschland und wurde ein Jahr darauf einer der ersten Abgeordneten der NSDAP im Reichstag. Er wurde schnell zu einem der bedeutendsten Männer an Hitlers Seite.
Am 26. Juni 1945 flog Robert H. Jackson nach Europa, denn in London wollte er mit den Alliierten die Regeln für den anstehenden Prozess verhandeln. Jackson wollte die Verhandlung zu einem Triumph der Moral, einem Meilenstein der Zivilisation machen, um Ereignisse, wie sie in Deutschland vorgefallen waren, ein für allemal vorzubeugen.
Doch die Gespräche in London waren komplizierter als erwartet, da die sowjetische Delegation sich dagegen wehrte, die angloamerikanischen Rechtsprinzipien anzuwenden. Die Abgesandten Stalins befürchteten, dass auch die aggressiven Aktionen Russlands gegen Finnland und die baltischen Staaten vor Gericht kommen würden.
Jackson ließ überall nach Beweisen für die Verbrechen der Naziführer fahnden, um die Option eines rein amerikanischen Prozesses zu behalten.
Schließlich konnte man sich auf den Kompromiss einigen, das Verfahren auf die deutschen Verbrechen zu beschränken.
Als Gerichtsort wurde Nürnberg ausgewählt, seiner symbolischen Bedeutung wegen und weil dort noch ein unzerstörtes Justizgebäude mit einem angrenzenden Gefängnis existierte.
Dorthin wurden nach und nach die Angeklagten gebracht: Herrmann Göring als einer der ersten, außerdem Außenminister Joachim von Ribbentrop, Feldmarschall Wilhelm Keitel, Rüstungsminister Albert Speer und einige andere.
Nun angeklagt in Nürnberg, wollte Herrmann Göring den Gerichtssaal als Bühne nutzen, um den Deutschen seine Legende zu hinterlassen. Er machte schnell deutlich, dass er kein leichter Gegner sein würde.
Das internationale Militärtribunal wurde am 20. November 1945 eröffnet und die Verlesung der Anklagen dauerte zwei Tage. Daraufhin sollten sich die Angeklagten schuldig oder nicht schuldig bekennen. Göring rief "nicht schuldig" in den Saal.
Diese Dokumentation beschreibt das Gerichtsverfahren in Nürnberg als Schlacht zwischen Gut und Böse, in welcher der amerikanische Chefankläger Robert H. Jackson die Grundsätze des Rechts vertritt. Der Kampf endet mit dem Sieg der Zivilisation über die Barbarei.
Michael Kloft hat für diesen Film die letzten Zeitzeugen befragt, seltenes und teilweise unveröffentlichtes Archivmaterial gesammelt und Originalschauplätze besucht.