Kriegsspiele

Originaltitel:
Kriegsspiele
Weitere Titel:
(War Games)
Produktionsland / Jahr:
Originallänge:
60 min. , Farbe
Uraufführung:
11 June 2002, Südwestrundfunk
Literarische Vorlage:
Buch:
Produzent:
Kamera:
Schnitt:
Musik:
Darsteller (Rolle):
Weitere Personen:
Zusammenfassung:
Sie heißen Myth, Amoxxk oder "Der Gestörte". Sie kommen aus Esslingen, Frankfurt oder Hofheim am Taunus. Über das Internet sind sie miteinander verbunden. Sie sind zwischen 15 und 19 Jahren alt, und ihre Hauptbeschäftigung ist es, Krieg zu spielen - jeder für sich zu Hause am PC. Am liebsten kämpfen sie gemeinsam gegen andere Jugendliche, die sich ebenso wie sie zu einem Clan zusammengeschlossen haben. In solchen "Clan Wars" sind die einen die Terroristen, die anderen die "Counter-Terroristen", und damit die "guten" Polizisten. Welche Rolle sie spielen, ist den Jungs jedoch ziemlich egal. Denn ihnen geht es ja, wie sie immer wieder betonen - nur ums Spielen.
Schlagworte:
Literatur:
Bemerkungen:
Der Film porträtiert jugendliche Counterstrike-Spieler und setzt sich mit ihrer Faszination für Computer-Kriegsspiele auseinander. Durch das Amokdrama von Erfurt gewinnt der Film, der bereits im Januar 2002 seinen Drehstart hatte, eine unbeabsichtigte Brisanz. Ratlos werden jetzt Antworten auf die Frage gesucht, wie es zu der Wahnsinnstat Robert Steinhäusers kommen konnte. Auch über den umstrittenen Zusammenhang zwischen realer Gewalt und gewalttätigen Computerspielen wird erneut heftig diskutiert. Bereits seit einigen Jahren beschäftigt sich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) verstärkt mit Computerspielen. Bei COUNTERSTRIKE wurde allerdings einer Indexierung widersprochen.

Marcus Vetter zeichnet ein Psychogramm von durchaus sympathischen Jugendlichen auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Sie gehören einer rasant wachsenden Jugendbewegung an, die einen ganz wesentlichen Teil ihrer Freizeit mit Computer-Kriegsspielen wie Counterstrike verbringt. Mittlerweile gibt es Tausende solcher Clans wie der von Myth, Amoxxk und dem Gestörten. Nicht nur in Deutschland - Counterstrike wird international gespielt. Das gewalttätige Computerspiel gilt bei seinen Anhängern als Sport. In Counterstrike-Bundes- und Europaligen tragen die Spieler ihre Clan-wars über das Internet miteinander aus. Der Traum jedes
Counterstrikers ist es, einmal bei einer der von INTEL oder MICROSOFT gesponserten Meisterschaften teilnehmen zu dürfen. Diese finden in Sporthallen statt. Jeder Clan bringt seine eigenen PCs mit. Vor Ort werden die PCs zu einem Netzwerk (LAN) zusammengeschlossen. Die Preisgelder betragen bis zu 30.000 Dollar.

Kriegsspiele wie Counterstrike sind keine Einzelfälle, die nur von wenigen Jugendlichen genutzt werden. Es handelt sich hier um eine Jugendbewegung, die Amerika bereits Anfang der 90er Jahre infiziert und erst in den letzten Jahren auch Europa erreicht hat. So verdient beispielsweise Nvidia, eine amerikanische Grafikkartenfirma, als eine der wenigen Hightechfirmen überhaupt noch Geld, weil die jugendlichen Spieler für die Counterstrike-Grafikkarten bereit sind, jeden Preis zu bezahlen.

Viele Eltern und Psychologen unterschätzten vielleicht die Gefahr, die von solchen Computerkriegsspielen ausgehen kann. Aufgrund der noch relativ kurzen Laufzeit des Spieles sind die langfristigen Folgen unbekannt und wissenschaftlich nicht erforscht.
Überhaupt herrscht Uneinigkeit unter den Experten hinsichtlich der gewalterzeugenden Wirkung von Computerspielen. Aber: Eine ganze Reihe von Studien warnen unmißverständlich davor, daß solche Computerspiele zur Gewaltanwendung im wirklichen Leben verleiten können. So auch eine neue Studie der Ruhr Universität Bochum. Die dort forschende Psychologin Rita Steckel weist darauf hin, daß die betroffenen Kinder ihre Aggressionen nicht mehr regulieren könnten und auch langfristig zu Aggression und Gewalt neigten. Nicht ohne Grund beschäftigt sich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) verstärkt mit Computerspielen. Bei Counterstrike wurde allerdings einer Indexierung widersprochen.

Laut einer Umfrage der deutschen Computerspiele-Zeitschrift »Gamestar« hat jeder fünfte Computer-Spieler schon einmal an einer LAN-Party teilgenommen. Fast 50% der insgesamt 1000 befragten Leser planen, in naher Zukunft an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen.

Die meisten Jugendlichen, die Counterstrike spielen, kommen aus Mittelstandsfamilien und weisen ein eher unauffällig, bürgerliches Lebensskript auf: Zivildienst oder Bundeswehr, möglichst kurz, so dass man nebenher studieren kann. Das Ziel: Viel Geld verdienen - als Anwalt, Makler oder Journalist. Eigentlich, so suggeriert der erste Blick, scheint alles perfekt und die Gesellschaft bräuchte sich keine Sorgen zu machen. Sind Kriegsspiele wie Counterstrike also nur eine notwendige Verirrung, die auf die Pubertät zurückzuführen ist und der man daher eher tolerant begegnen sollte? Oder verbirgt sich hinter dem konservativ anmutenden Lebensskript der Jugendlichen eine ernste Gefahr. Was passiert, wenn der Traum vom schnellen Geldverdienen nicht in Erfüllung geht? Wenn Arbeitslosigkeit den Träumen der Jugendlichen im Weg stehen sollte? Ist der eine oder andere Counterstrike-Spieler, der die Sucht nicht im Griff hat, vielleicht doch ein Sleeper von morgen, ein noch nicht aktivierter Gewalttäter, Amokläufer...?
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