Sobibor, 14 octobre 1943, 16 heures

Originaltitel:
Sobibor, 14 octobre 1943, 16 heures
Weitere Titel:
Sobibor, Sobibor, Oct. 14, 1943, 4 P. M.
Produktionsland / Jahr:
Originallänge:
95 min. , Farbe
Uraufführung:
13 May 2001, Cannes Film Festival
Literarische Vorlage:
Produzent:
Musik:
Weitere Personen:
Zusammenfassung:
Der Filmtitel gibt Ort, Tag, Monat, Jahr und Stunde des einzigen jemals gelungenen Aufstands in einem Vernichtungslager der Nationalsozialisten an. An diesem 14. Oktober 1943, Punkt 16 Uhr, spaltete der damals sechzehnjährige Jude Yehuda Lerner dem SS-Offizier Greischütz mit einer Axt den Schädel. Lerners Tat war der Auftakt zur einzigen erfolgreichen Revolte, in deren Verlauf elf SS-Männer getötet wurden und mehrere Hundert Häftlinge fliehen konnten. Das Lager Sobibor, in dem seit Frühjahr 1942 mehr als 250.000 Menschen vergast worden waren, wurde danach von den Nationalsozialisten aufgegeben.
Geplant, vorbereitet und organisiert hatte den Aufstand ein jüdischer Sowjetoffizier, Alexander Petscherski, ein Berufssoldat, in nicht einmal sechs Wochen. Petscherski, der Anfang September zusammen mit anderen Juden, ebenfalls Soldaten der Roten Armee, nach Sobibor deportiert wurde, hatte das Glück, nicht sofort in die Gaskammern geschickt zu werden wie seine übrigen Kameraden. Er gehörte zu ungefähr sechzig Männer, die für Schwerarbeit und Instandhaltungsmaßnahmen dringend gebraucht wurden.
Lanzmann geht es nicht um eine historische Rekonstruktion des Aufstands. Sobibor, 14. Oktober 1943, 16 Uhr ist vielmehr die Geschichte Yehuda Lerners. Seine Familie wurde in Treblinka ermordet, ihm gelang neunmal die Flucht aus unterschiedlichen Lagern. Verschmitzt erzählt Lerner, wie die Aufständigen die SS mit ihren Mitteln zu schlagen – mit ihrer Pünktlichkeit. Der Plan, die SS-Männer unter vorgeschobenen Terminen einzeln im Fünf-Minuten-Takt zu verschiedenen Baracken zu bestellen ging auf. Um 15.55 Uhr wird in der Nebenbaracke ein SS-Wachmann mit einer Axt erschlagen, um 16.00 Uhr erledigt Lerner den nächsten, weitere fünf Minuten später ein Kamerad den nächsten. Yehuda Lerners Erzählung endet damit, dass er auf der Flucht im Wald einschläft - 500 Meter vom Lager entfernt.
Literatur:
Bemerkungen:
Bereits 1979 führte Lanzmann ein ausführliches Interview mit Lerner, damals für seinen Film Shoah. Doch Lerner Geschichte passt zu Shoah, der von Tod und Vernichtung handelt. Lerner hingegen mit seinen acht Ausbruchsversuchen symbolisierte jedoch den ungeheueren Lebenswillen.
Bis auf die Eingangsszene, in der Lanzmann ein Foto der SS-Männer an den Gräbern ihrer Kameraden zeigt, verzichtet er wie schon in Shoah völlig auf die Verwendung von Archivaufnahmen. Stattdessen ist Lanzmann 20 Jahre nach dem Lerner-Interview nach Polen und Weißrussland zurückgekehrt, um Lerners Worte mit den Bildern vom heutigen Aussehen der Schauplätze zu verbinden.

http://holocaust.juden-in-europa.de/schoah/sobibor.htm
Erhältlich: