Paragraph 175

Originaltitel:
Paragraph 175
Originallänge:
86 min. , Farbe
Uraufführung:
22 January 2000, Sundance Film Festival
Literarische Vorlage:
Schnitt:
Weitere Personen:
Zusammenfassung:
Ein Dokumentarfilm über die Verfolgung der Homosexuellen während der Nazidiktatur. Klaus Müller, Leiter der Europa-Abteilung des Holocaust-Museum in Washington, hat gemeinsam mit den Regisseuren Rob Epstein und Jeffrey Friedman sechs Überlebende in ihren Wohnungen besucht. Diese Interviews – zum Teil in deutsch und französisch geführt und mit englischen Untertiteln versehen – bilden das Kernstück des Films.
Zögernd erzählen die Sechs aus ihrer Jugend, blättern in alten Fotoalben, berichten von ihren ersten sexuellen Erlebnissen - und von der Scham, dem Schrecken und dem Schmerz, denen ihre Liebe im Dritten Reich ausgesetzt war.
Die Erinnerungen der Porträtierten verdeutlichen die Filmemacher mit Archivaufnahmen aus den 20er und 30er Jahren, in denen besonders das liberale Berlin als „homosexuelles Eden“ galt.
Mit der Machtergreifung der Nazis änderte sich die Situation schlagartig. Homosexuelle Männer waren sofort massiver Verfolgung ausgesetzt. Die Filmemacher vermuten, dass die Attacken damit zusammenhängen, dass die Nazis mit Ernst Röhm selbst einen Homosexuellen in ihren eigenen Reihen hatten. Je mehr die Öffentlichkeit von Röhm erfuhr, desto härter wurden die Angriffe auf Homosexuelle allgemein.
Literatur:
Frank Heibert (Ed.). Und Gad ging zu David. Die Erinnerungen des Gad Beck 1923 bis 1945. München: Dt. Taschenbuch-Verlag, 1999.

Pierre Seel. Moi, Pierre Seel, déporté homosexuel. Paris: Calmann-Lévy, 1994.

Andreas Sternweiler. Und alles wegen der Jungs. Pfadfinderführer und KZ-Häftling Heinz Dörmer. Berlin: Verl. Rosa Winkel, 1994.
Bemerkungen:
Mehr Informationen zum Film unter: http://www.tellingpictures.com/

Zwischen 1933 und 1945 wurden rund 100.000 Männer wegen ihrer gleichgeschlechtlichen Liebe verhaftet. Als „gesetzliche Grundlage“ für die Verfolgung Homosexueller diente ein 1871 von Bismarck erlassenes Gesetz: der Paragraph 175 des Strafgesetzbuches, nach dem der „unnatürliche Akt zwischen Personen männlichen Geschlechtes oder zwischen einem Menschen und einem Tier“ mit Gefängnishaft und dem Verlust des bürgerlichen Rechtes bestraft werden könne.
Von den 15.000, die in Konzentrationslager deportiert wurden, überlebten nicht einmal 40 Prozent; unter den nicht-jüdischen Gefangenen hatten Homosexuelle die niedrigste Überlebensrate. Wie Juden, Sinti und Roma und andere von den Nazis verachtete Menschen mussten auch die Homosexuellen ein Kennungsmerkmal tragen: Ein rosanes Dreieck sollte sie als „nicht lebenswert“ brandmarken.
Der Paragraph 175 wurde erst 1969 abgeschafft.

Gewann bei den "Internationalen Filmfestspielen" in Berlin zwei Awards.
Erhältlich:
VHS NTSC, DVD